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Still Movin'

D 1995. R,B: Niki Stein, Jacki Engelken. K: Wolfgang Aichholzer. S: Nina Ergang. M: Jacki Engelken, Ulrik Spiess. D: Kai Wiesinger, Willy Freeze, Sandra Speichert, Hansa Czypionka, Leon Rippy, Anton Rattinger, Willy Thomczyk, Jophi Ries, Ingo Naujoks, Peter Lohmeyer u.a.
87 Min. Atlantic Film ab 6.3.97
Von Oliver Baumgarten Felix (Kai »Musketier-Bart« Wiesinger) ist hipper Techno-DJ, der sich mit seinem Boß anlegt und zur Strafe als Tourmanager den heruntergekommenen und versoffenen Country-Heino Willy Freeze begleiten muß. Als dieser den ersten Gig total vergeigt und stoned von der Bühne kippt, beginnt eine Tournee durch traurige Provinznester, bei der Felix mehrfach vergeblich versucht, den verhaßten Cowboy-Freak loszuwerden. Erst als eine alte Willy-Freeze-Single durch einen Jeans-Werbespot zum Hit wird, ändert sich die Situation.

Der dynamische Auftakt der von Techno-Rhythmen durch einen Raum gehetzten und an Requisiten verschnaufenden Kamera während der Titelsequenz verspricht leider mehr, als der Film halten kann. Niki Steins Still Movin' lebt nicht gerade von hohem Tempo und inszenatorischer Raffinesse, sondern wird eher durch üblichsten Fernsehcharakter ausgebremst.

Es ist eben eine dieser leichten Typen-Komödien, die Charakter-Klischees zur Amüsiergrundlage nehmen, in der stillen Hoffnung, einem breiteren Publikum gerecht zu werden. Und so macht uns denn Kai Wiesinger den Techno-DJ, Sandra Speichert das ganz besondere Mädchen, Anton Rattinger den Spießer usf.

Selbst die Gastauftritte, beispielsweise von Willy »Dat hätte meine Omma ja bessa gemacht« Thomczyk, Peter Lohmeyer als Streifenhörnchen oder Ingo Naujoks, der nach Trash-Tiefpunkten wie den »Sturzfliegern« und »Weibsbildern« wohl auch nichts mehr ausläßt, bieten kaum Abwechslung. Niki Steins Genre-Mix aus Roadmovie (natürlich mit Chevy) und Komödie (natürlich mit Beziehung) fällt äußerst halbherzig aus und eingesprengte Action-Momente eher dürftig (der Chevy brennt).

Richtig lustig ist eigentlich nur, daß der aus Nashville / Tennessee stammende Willy Freeze (gespielt vom aus Nashville / Tennessee stammenden Willy Freeze) doch reichlich schlecht Englisch spricht (für jemanden, der aus Nashville / Tennessee stammt). Überhaupt habe ich das Gefühl, dieser Willy Freeze geistert schon seit Jahren unter Pseudonym im deutschen Film umher – und das mit meist besseren Darstellerleistungen als jetzt, da er sich selbst spielt. Wie das geht? Tja, zumindest in Willy Freeze birgt Still Movin' ein kleines Geheimnis, und ich werd' mich hüten, dieses in einer Wolfgang Neussschen Fehlleistung preiszugeben! 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #05.
© 2012, Schnitt Online

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