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Still Crazy

GB 1998. R: Brian Gibson. B: Dick Clement. K: Ashley Rowe. S: Peter Boyle. M: Clive Langer. D: Stephen Rea, Billy Connolly, Jimmy Nail, Timothy Spall, Bill Nighy u.a.
100 Min. Columbia ab 22.4.99
Von Oliver Baumgarten »Sie wollen's noch einmal wissen« – so könnte der Name eines gesamten Genres lauten, ein Genre mit Herz für Senioren. Ein Genre, in dem gestandene Männer wie »Der große Bellheim« samt Wirtschaftsaltenheim hochnäsigen Grünschnäbeln den Rang ablaufen, in dem es Archie und Harry nicht lassen können oder alternde Sportsmänner in Slap Shot zum großen Wurf ausholen.

Die Helden aus Brian Gibsons etwas anderer Sozialstudie entstammen einer in England an Veteranen nicht armen Gattung: einer 70er Artrock-Band. Die Strange Fruits haben sich 1977 auf einem legendären Festival nach ewigen Streitereien getrennt und sich seitdem nie wiedergesehen. Nichts ist so out wie 70er-Artrock, so daß nach Jahren von den Tantiemen nur nostalgische Erinnerungen geblieben sind. Tony hat als erster seine bürgerlichen Gehversuche satt, macht sich auf die Suche nach den restlichen Strange Fruits und plant seine private Sensation: eine Reunion nach zwanzig Jahren.

Nichts geschieht grundlos, so auch der Untergang des britischen Artrocks. Doch empfand ich bisher beim Gedanken an ein Comeback von beispielsweise Cozy Powell, Cockney Rebel oder Rainbow großzügig dankende Ablehnung, so hinterläßt Brian Gibsons lebhafte und herrlich komische Hommage jenen gegenüber ein nahezu warmes Wohlwollen. Trotz recht konventioneller Inszenierung entwickelt der Film durch zahlreiche Anspielungen und vor allem dank der liebenswerten Figuren eine kräftige Eigendynamik. So erfreut speziell Bill Nighy, der als Leadsänger Ray eine irre Mischung aus Steve Harley, Ginger Baker und Alice Cooper auf Valium kreiert. Stephen Rea hingegen spielt wiedermal nur Stephen Rea.

Nachdem Gibson 1985 den zweiten Poltergeist gedreht hatte, ist ihm davon nun irgendwie ein weiteres Sequel gelungen. Die Geschichte der buchstäblich Totgeglaubten, die energisch ihren Platz zurückfordern, wirkt plausibel und – einmal darauf eingelassen – auf lustige Weise real, obwohl Gibson deutlich und bewußt auf Doku-Techniken verzichtet. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #14.
© 2012, Schnitt Online

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