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Stigmata

USA 1999. R: Rupert Wainwright. B: Tom Lazarus, Rick Ramag. K: Jeffrey L. Kimball. S: Michael R. Miller, Michael J. Duthie. M: Elia Cmiral u.a. P: Frank Mancuso Jr. D: Patricia Arquette, Gabriel Byrne, Jonathan Pryce u.a.
100 Min. UIP ab 13.1.00
Von Alexandra Seitz Der Gekreuzigte hat Hochkonjunktur – zumindest auf der Leinwand. Das füllt zwar nicht die Kirchenbänke, wohl aber die Kinosessel. Katholischer Kitsch und religiöser Schrecken scheinen Hollywood die angesagtesten Reaktionen auf die unsicheren Zeiten zu sein, denen wir entgegengehen. Eben stand in End of Days der Fortbestand von Gottes Herrschaft auf dem Spiel, schon folgt mit Stigmata eine weitere Auseinandersetzung mit den gruseligen Phänomenen des christlichen Glaubens. Natürlich ebenfalls angereichert mit einer großzügigen Prise Theaterdonner, wenngleich der Deus ex machina diesmal in seiner Kiste, pardon, im Computer bleibt.

Gabriel Byrne wechselt dabei souverän die Seiten – nicht umsonst schließlich trägt der Mann den Namen eines Erzengels: Lieh er im neuesten Arnie-Vehikel dem Gottseibeiuns höchstpersönlich seine Gestalt, versucht er hier in der Funktion des Kirchendieners einer jungen Frau beizustehen, die die Wundmale Christi (Stigmata) empfängt.

Nicht nur die schauspielerischen Leistungen und die außergewöhnliche Farbgestaltung zeichnen Stigmata aus. Vor allem ist es die fundierte Recherche, die der Geschichte Gewicht verleiht und sie aus dem Haufen neuerer, mit dem Mystischen befaßter Filme heraushebt, denen Glaubensinhalte und religiöse Rituale lediglich als Motiv-Steinbruch dienen. Die Kritik, die Stigmata an einer verknöcherten Amtskirche übt, bleibt erhalten, auch wenn Ausflüge in die Dämonologie unklar motiviert und allzu aufgebrezelt daherkommen oder die Auflösung ein wenig übers Knie gebrochen scheint. Letztlich erzählt Wainwright vom Wunder, das im Glauben liegt. Daß er das mit sehr modernen Mitteln tut, ist ihm nicht vorzuwerfen, sondern zeichnet ihn aus. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #17.
© 2012, Schnitt Online

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