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Sterben für Anfänger

Death at a Funeral. USA 2007. R: Frank Oz. B: Dean Craig. K: Oliver Curtis. S: Beverley Mills. M: Murray Gold. P: MGM, Sidney Kimmel Entertainment u.a. D: Jane Asher, Ewen Bremner, Rupert Graves, Matthew Macfayden u.a.
90 Min. Concorde ab 19.7.07

Trauern auf Englisch

Von Maike Schmidt »Möchten Sie Ihren Vater noch einmal sehen, bevor wir gehen?« Mit dieser Frage beginnt der neue Film von Frank Oz. Wie sich heraustellen wird, ist dies die wichtigste Frage des ganzen Films, denn leider wurde beim Bestatter geschlampt und ein wildfremder Mann ins Haus der Trauerfeier geliefert. Das Versehen wird entschuldigt, schnell der Sarg ins Auto zurück und der richtige geholt. Die Trauerfeier kann beginnen, der Film kann beginnen.

Ein trauriger Anlaß also als Auslöser. Das Oberhaupt der Familie ist gestorben, und eben diese muß nun anreisen, um ihn auf seinem letzten Weg zu begleiten. Man könnte meinen, daß diese Konstellation im Grunde keine wirklichen Momente amüsanter Vorkommnisse bietet. Nichtsdestotrotz müssen Familientreffen im Film oft gerade dafür herhalten. Und daß Frank Oz sich diesem Thema zuwendet, ohne ein Abwenden von seinem bevorzugten Genre in Kauf zu nehmen, ist für diese Komödie genau das richtige gewesen. Das Thema Trauer wird so zu einer locker-leichten, ironischen Farce, wie sie in – zugegebenermaßen – abgeschwächter Form ein jeder von uns auf alljährlichen Familienversammlungen auszuhalten hat; denn das Aufeinandertreffen dieser Blutsbandenmitglieder, mit denen man sich mal mehr, mal weniger gerne kontinuierlich betrinken darf, war, das weiß jeder, wohl noch nie Hort friedlich-harmonischer Stunden. So ist auch die Tatsache Todesfall für Oz kein Grund, nun gemäßigtere Sprache anzuwenden, sondern im Gegenteil noch einen draufzusetzten, mit dem erklärten Ziel, ein bunt-absurdes Katastrophenbild zu zeichnen. Dies steigert sich von realitätsnah bis völlig grotesk und ist Teil der filmischen Dramaturgie. Mit der Verwechslung des Sarges nebst Inhalt beginnt, mit Klopfzeichen aus dem Mausoleum endet es.

Dieser Situation Herr zu werden fällt als Aufgabe Daniel zu, jüngster Sohn des Dahingeschiedenen und erster Protagonist dieser kleinen anarchischen Fabel. Im ewigen Schatten des berühmten Bruders stehend, war alles, was er wollte, eine angemessene, würdevolle Verabschiedung des geliebten Vaters; seine Familie aber scheint sich gegen dieses Vorhaben mit allen Kräften zu wehren. Als dann zu guter Letzt auch noch ein enger, bis dato allen unbekannter Freund des Vaters erscheint, der mit pikanten Fotos versucht, die Familie zu erpressen, ist das Maß voll und die Geduld Daniels ganz am Ende. Daß der englische Titel Death at a Funeral lautet, sei hier als kleine verräterische Notiz am Rande erwähnt.

Frank Oz kann es immer noch. Gute Komödien, die so menschlich wie absurd gerne mit schnellen Schritten einem vermeintlich schlechten Geschmack entgegenlaufen, ohne diesen aber in Gänze zu bedienen. Ein, zwei Ausrutscher Richtung Fäkalhumor will er sich erlauben, sonst bleibt der Hochseilakt geschickt inszeniert, ohne daß ein Verrat an den Figuren, ihren Sorgen oder, wie hier, ihrer Trauer geschieht. Es ist ein englischer Film mit englischem Humor, und das spürt der Zuschauer gerade in den Momenten, die den Film zur Komödie machen. Very British. Gute Unterhaltung entsteht dann, wenn man trotzdem lachen kann, und das will hier erneut gezeigt werden. Man ist danach als Zuschauer zwar nicht darauf aus, nun unbedingt der nächsten Beerdigung beizuwohnen, weiß aber einmal mehr, daß das bestimmt kommende nächste Familientreffen etwas leichter von der Hand gehen kann. So schlimm, das darf in Erinnerung an diesen Film stehenbleiben, kann's nicht werden und wenn doch, dann wird's eben endlich mal lustig. 1970-01-01 01:00

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