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Stealth – Unter dem Radar

Stealth. USA 2005. R,B: Rob Cohen. B: W.D. Richter. K: Dean Semler. S: Stephen Rivkin. P: Columbia, Laura Ziskin Prods. D: Josh Lucas, Jessica Biel, Jamie Foxx, Sam Shepard u.a.
120 Min. Sony ab 15.9.05

Ein Herz fürs Militär

Von Holger Liepelt Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um. Das Sprichwort ist bekanntlich kein Aufruf zur Feigheit, sondern eine Warnung vor unkalkulierbaren Risiken. Bei Actionfilmen sind diese Risiken eigentlich recht gut abschätzbar: Figuren vom Reißbrett, hanebüchener Plot, Dialoge aus »Drehbuchschreiben leicht gemacht«, dafür kracht es ordentlich. Sind sie, wie bei Stealth, von der Navy finanziert, kommen noch Glorifizierung des Militärs im allgemeinen und der Soldatenkameradschaft im besonderen hinzu. Das alles kann man dem Trailer ansehen. Man kann also nicht sagen, man wäre nicht gewarnt gewesen.

Sitzt man dann im Kino und schaut Stealth, scheint auch zunächst alles beim Alten: Bilderbucherfolgspiloten, die supergeheime Tarnkappenflieger testen, schneidige Erfolgsvorgesetzte, denen »Bad Guy« auf der Stirn steht und Zeitlupenaufnahmen von Piloten, die über Flugzeugträgerdecks schreiten. Als technisches Gimmick kommt eine unbemannte Kampfflugzeugdrohne hinzu, die auch getestet werden muß und sich in die Staffel einfügen soll. Im folgenden wird der Blitz in die Drohne einschlagen und sie, »Nr. 5 fliegt« sozusagen, »umprogrammieren«, auf daß sie sich erst gegen ihre Staffelkollegen wendet und dann beginnt, Gefühle zu entwickeln. Das ist so dämlich, wie es sich liest, und es ist ein Segen, daß die Geschichte im Actiongetöse untergeht.

Sehr viel eher bleibt beim Zuschauer der grobschlächtige Versuch hängen, in der Fiktion die Kriegseinsätze des amerikanischen Militärs nachträglich zur Erfolgsgeschichte umzuwandeln. Unter Einsatz des eigenen Lebens kann einer der Piloten nämlich einen terroristischen Treffpunkt in die Luft jagen, ohne, obwohl das Haus inmitten eines belebten Zentrums steht, einem einzigen Zivilisten ein Haar zu krümmen. Das kam im Fernsehen irgendwie anders rüber.

Gerade diese so hilfosen wie plumpen Versuche, das Ansehen der amerikanischen Soldaten wiederherzustellen, läßt die Handlung merkwürdige Kapriolen schlagen: Bei einem weiteren Einsatz bricht der Staffelführer wegen möglicher Kontaminierung tausender Zivlisten mit nuklearem Staub den Angriff auf einen weiteren terroristischen Stützpunkt ab. Die inzwischen umprogrammierte Drohne gehorcht nicht, aber anstatt die Maschine abzuschießen, unterstützen die menschlichen Piloten die Drohne, weil sie angegriffen wird und jagen alles doch eigenhändig in die Luft. Tausende Zivilisten radioaktiv verseucht. Welches Bild der Navypiloten soll da entstehen? Daß sie im Zweifel lieber ihren Blechkameraden beistehen als Zivilisten zu schützen?

Stealth zeigt ein neues Niveau des Ausmaßes, wie sich Hollwoodfilme vor den Karren des Militärs und der Politik spannen lassen. Wo Top Gun die Navy noch als Abenteuerspielplatz für ganze Kerle zeigte und eben ganz allgemein vorführte, wie cool Soldaten doch sind, ist das Szenario von Stealth ganz auf die momentane Außenpolitik der USA abgestimmt: Alle Einsatzorte liegen mehr oder weniger auf der »Achse des Bösen«, inklusive einer längeren Episode in Nordkorea. Auf ein bißchen Militärwerbung und Flugzeugen im Sonnenuntergang mußte man sich einstellen. Aber, und das macht den Kinobesuch dann äußerst unangenehm, nicht auf waschechte Propaganda. 1970-01-01 01:00
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