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Status Yo!

D/CH 2004. R,B,S: Till Hastreiter. K: Robert Ralston, Tamas Kemenyffy. M: Pflegerlounge u.a. P: Discofilm, gute filme. D: Sera Finale, Jan Eq u.a.
118 Min. Die TelePaten ab 4.11.04

Großstadtfilm

Von Mark Stöhr Was für ein entfesselter schmutziger Großstadtfilm. Man muß kein Hiphop-Fan sein, um einen teuflischen Gefallen zu finden an diesem episodischen Chaos aus lebensklugen Spinnern, philosophischen Sprayern und großmäuligen Losern. Geredet wird viel in diesem atemlosen Hechtsprung durch die Hiphop-Clubs und Straßenköter-Kieze Berlins, eigentlich ausschließlich, meistens in Reimen, manchmal lügt auch einer, aber nur, weil er es ehrlich meint. Dazwischen gibt es tatsächlich eine große Liebe, der es bluternst ist. Da streikt sogar mal der endlos produzierende Sprachnavigator, zumindest für einen Wimpernschlag. Wie karaokehaft und verlogen kann nachgestelltes Underground-Kino sein, wie lebendig und authentisch ist es in Status Yo! gelungen. Regisseur Till Hastreiter hat seine Freunde und Bekannten aus der Berliner Hiphop-Szene zusammengetrommelt und zum Spielen gebracht. Gerne gefriert einem bei Selbsterfahrungsprojekten mit Laiendarstellern ohne Text und Drehbuch das Blut, doch Hastreiter bändigt wie ein Dompteur die verschiedenen Einzelgeschichten und Temperamente, läßt das Unzugehörige unzugehörig sein, ohne den großen Zusammenhang zu verlieren.

Da gibt es den Hiphopper Yaneq, der eine zu große Klappe hatte und innerhalb eines Tages einen Riesen-Jam auf die Beine stellen muß, den Sprayer Tarek, der von einem märchenhaften, weißen U-Bahn-Zug träumt, den Rapper Sera Finale, der aus Geldnot seine Rapper-Seele für TV-Serien-Musik verkaufen muß und um seine Wohnung kämpft, die sein Marihuana-Dealer verpfändet hat, und Sässion, der vor irgendwelchen Geldeintreibern fliehen und gleichzeitig verhindern muß, daß seine Freundin Yesim von ihrem Bruder gefunden und in die Türkei verschleppt wird. Dazu noch Nazi-Glatzen und ein Showdown, der sich gewaschen hat.

Die Legende besagt, daß Hastreiter seinem Film bis kurz vor dessen Premiere bei der diesjährigen Berlinale noch den letzten Schliff gegeben haben und in den frühen Morgenstunden mit einem 145er Alfa Romeo von Frankfurt am Main nach Berlin gerast sein soll. Man will es fast glauben. Oder wie heißt es so schön auf der Website: »Leute wie du/Sprache wie du/Leben wie du/Ein Film wie du!!!/Keine Schauspieler/Kein Budget/Kein Fake/100% Hollywood frei/100% Mami frei/100% Papi frei /100% Stock im Arsch frei.« Noch Fragen? 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #36.
© 2012, Schnitt Online

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