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Station Agent

The Station Agent. USA 2003. R,B: Thomas McCarthy. K: Oliver Bokelberg. S: Tom McArdle. M: Stephen Trask. P: SenArt Films. D: Peter Dinklage, Patricia Clarkson, Bobby Cannavale, Raven Goodwin u.a.
88 Min. Prokino ab 3.6.04

Alles wird gut!

Von Dietrich Brüggemann Fin ist nur 1,30m groß und arbeitet in einem Modelleisenbahnladen. Eines Tages stirbt sein Chef und hinterläßt ihm ein Grundstück in einem Kaff in New Jersey. Fin zieht hin und schlägt sein Quartier in dem alten Bahnwärterhäuschen auf, das auf dem Grundstück steht. Er lernt Joe kennen, der direkt gegenüber seinen Imbißwagen betreibt, und Olivia, die ihn mit ihrem Geländewagen gleich zweimal fast überfährt. Die drei schließen nach und nach Freundschaft. Und das ist eigentlich schon alles.

The Station Agent ist ein Independent-Film, und zwar ein echter. Der Schauspieler Tom McCarthy schrieb über drei Jahre an dem Drehbuch, die Hauptdarsteller sind alte Kumpel von ihm, und McCarthy, der zuvor noch nicht einmal einen Kurzfilm gedreht hatte, inszenierte das ganze für 500.000 Dollar, was selbst in Deutschland nicht viel Geld für einen Film ist, geschweige denn in Amerika.

Völlig abseits jeder Ambition auf großes Kino, aber auch gänzlich ohne amerikanischen Emotions-Zuckerguß und zudem auch frei von verrätseltem Indie-Kunstanspruch erzählt McCarthy seine hinreißend ereignislose Geschichte.

Und was sonst im Independentfilm (und im Kommerzkino sowieso) häufiger in die Hose geht, funktioniert hier: Die Schauspieler vollbringen nicht mit zusammengebissenen Zähnen athletische Glanzleistungen wie beispielsweise kürzlich in dem unechten Independentfilm 21 Gramm, sondern sind entspannt, glaubwürdig und gut.

Nur in der zweiten Hälfte kommt Pathosgefahr auf, da möchte man aufspringen und rufen: Nein! Nicht! Das kann ich mir auch woanders ansehen! Aber dann kriegt er doch noch die Kurve, und alles wird gut.

Nachdem ich diesen Film gesehen hatte, fuhr ich nach Hause und ging unterwegs noch beim Gemüsehändler vorbei. Eine große innere Ruhe überkam mich, und ich betrachtete sinnend die roten und gelben Paprika, wie sie so in der Sonne lagen. Es ist gut, dachte ich. Und dabei fühlte ich mich wie Gott am siebten Schöpfungstag.

So etwas muß ein Film erstmal hinkriegen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #34.
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