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Startup

AntiTrust. USA 2001. R: Peter Howitt. B: Howard Franklin. K: John Bailey. S: Zach Staenberg. M: Don Davis. P: Hyde Park, Industry, MGM. D: Ryan Phillippe, Rachael Leigh Cook, Claire Forlani, Tim Robbins, Douglas McFerran u.a.
109 Min. Constantin ab 28.6.01

Clever.Com

Von Manuela Brunner Prädikat: Clever. Eine Eigenschaft, derer sich ein Thriller, der in der binären, knallharten Welt des Computer-Business spielt, ruhig rühmen kann. Eins oder Null, strahlender Sieg oder totale Niederlage, dazwischen gibt es nichts für den Softwaremogul – mit leichten Anleihen beim alten Bill – den Tim Robbins mit einer raffinierten, glatten Doppelbödigkeit zwischen jungenhafter Begeisterungsfähigkeit und kaltblütigem, tödlichem Ehrgeiz spielt.

»In Dir sehe ich etwas, was ich seit Jahren nicht gesehen habe: Ich sehe mich.« Bei seinem Ehrgeiz packt er damit das junge Computergenie Milo, eine weitere Facette im Repertoire von Ryan Phillippe, der sich langsam aber sicher vom Teeniehorror-Kanonenfutter zum Schauspieler entwickelt. Erst in der Befreiung vom Streben nach Coolness ist dieselbe wirklich zu erreichen. Sein Valmont in Cruel Intentions kontrastierte das Unschuldsgesicht bereits wirkungsvoll mit einer tiefschwarzen Seele.

Die Rolle des Computerkids in diesem Film ist ein weiterer, gut gewählter Schritt in Richtung Un-Coolness, denn diesem Menschenschlag haftet noch immer ein Ruf von Nervigkeit, Birkenstock-Sandalen und Beziehungsunfähigkeit an. »Du hast eine echte, dreidimensionale Freundin?«, wird Milo von einem amüsiert-erstaunten Kollegen gefragt. Sie machen Spaß, diese kleinen, klischeebestätigenden und zugleich ironisierenden Seitenhiebe. Als eine Verfolgungsjagd wegen mangelnder körperlicher Kondition des Helden recht unrühmlich endet, muß er sich anhören, er sei nun mal nicht Tom Cruise. Und ich sage: Ist er doch! Zwar nicht der M:I 3-Held, doch dafür hat er große Ähnlichkeit mit Mitch McDeere, der sich mit ähnlich geschickten Winkelzügen wie Milo aus seiner »Firma« befreien muß.

Wußte der kleine Paranoiker in uns allen es denn nicht schon lange, daß wir seit dem ersten Moment, da wir zum ersten Mal prüfend den virtuellen Zeh ins große, weite Netz der globalen Kommunikation steckten, unsere Spuren hinterließen und der große Bill und seine Schergen uns seitdem ausspionieren?

In der Computerindustrie liefern sich Wirklichkeit und Science Fiction ein Kopf-an-Kopf-Rennen, und Startup ist mit seiner Vision vom weltumspannenden, satellitengesteuerten Kommunikationssystem ganz nah dran und legt den Finger punktgenau auf die unterschwelligen Befürchtungen, Ängste und von Mißtrauen durchtränkten Beziehungen des modernen Menschen zu seiner Kommunikationstechnik. Und das, zusammen mit einem manchmal fast zu dick aufgetragenen, aber sehr hippen Soundtrack und der Anlehnung des deutschen Titels an die von den amerikanischen Kritikern hoch gelobte Doku Startup.com, beweist nur einmal mehr, was Peter Howitt schon mit Sliding Doors andeutete: Hinter diesem Film steckt ein cleverer Kopf. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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