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Starsky & Hutch

USA 2004. R,B: Todd Phillips. B: John O'Brien, Scot Armstrong. K: Barry Peterson. M: Theodore Shapiro. S: Leslie Jones. P: Dimension Films. D: Ben Stiller, Owen Wilson, Snoop Dogg, Fred Williamson u.a.
Buena Vista ab 25.3.04

In einer Stadt vor unserer Zeit

Von Daniel Bickermann Ein eindeutiger Fall für den Psychiater, dieser Mann. Todd Phillips wurde zweifellos ins falsche Jahrzehnt geboren. Nicht nur das, er steckt sogar mitten in der falschen Retro-Welle: Hat ihm denn keiner gesagt, daß die 70er in den 90ern waren und man in den 00ern eigentlich die 80er macht? Ein Miami Vice-Film wäre heute also (paradoxerweise) wesentlich zeitgemäßer. Nicht, daß sich der New Yorker Regisseur davon irgendwie beeindrucken ließe.

Starsky & Hutch, soweit noch keine Überraschung, ist nicht gerade ein Meisterwerk geworden. Was den Film jedoch zu einem angenehmen, ja streckenweise auch amüsanten Genrebeitrag werden läßt, sind all die anderen Sachen, die er gottseidank ebenfalls nicht geworden ist. Zum Beispiel ist dies kein reines Stiller/Wilson-Vehikel wie Zoolander. Es ist auch keine Kotz- und Pupsorgie wie Phillips' vorherige, spektakulär unwitzige Filme Road Trip und Old School. Man weiß nicht einmal sicher zu sagen, ob es sich bei Starsky & Hutch wirklich um eine Komödie handelt. Wohl eher eine liebevolle Hommage, die ihre Figuren durchaus ernst nimmt, die die leider obligatorischen Zitatwitze zumindest in Grenzen hält und die statt dessen lieber mit einer Stimmung des verschmitzten Augenzwinkerns arbeitet.

Und wie sehr dieser Regisseur die 70er lieben muß! Man darf Phillips durchaus Respekt zollen für diese erstaunlich vollständige Wiederbelebung einer Epoche. Daß Frisuren und Klamotten zur allgemeinen Belustigung wieder ausgegraben wurden, war zu erwarten. Auch daß das Set Design und die Architektur so akkurat ist, überrascht nur in Bezug auf die herrschende Sorgfalt. Aber Phillips geht tatsächlich soweit, sich selbst ebenso wie Kameramann Peterson und Cutter Jones einen Regelkanon des Filmemachen von 1975 aufzuerlegen. Mit dieser mutigen Entscheidung verleiht er dem Film tatsächlich das Gefühl einer lange verblichenen (Fernseh-)Ästhetik, in der Verfolgungsjagden noch mit Reißschwenks verfolgt wurden, spektakuläre Autostunts noch in Zeitlupe abliefen und man hunderte Meter in wackeligen, unscharfen Zooms zurücklegte. Allein durch Kamerawinkel und Ausleuchtung erwachen streckenweise (angenehme) Erinnerungen an die ursprüngliche Drei Engel für Charlie-Serie, an Bullit, Taxi Driver oder auch schon mal an das billig gedrehte Exploitationkino der Zeit.

Daß die Komik dabei eher zu kurz kommt, hat zwei Ursachen. Zum einen das höchstens durchschnittliche Drehbuch, das die Protagonisten durch einen Flickenteppich von typischen Schauplätzen der fiktiven Metropole Bay City hetzt (dunkle, dampfende Seitengassen! Umkleidekabinen! Polizeireviere mit Schreibmaschinen! Discos!). Die daraus resultierende Situationskomik verpufft oft kläglich, auch weil einige Motive, wie Will Ferrells perverser Sträfling, einen Rückfall in den heutigen Klamaukfilm darstellen und sichtlich nicht in die Stimmung passen wollen. Nein, es sind die beiden Protagonisten und ihre leichtfüßigen Improvisationen, die diesen Film in Humorfragen bestimmen. Und während Owen Wilson in ihrem letzten gemeinsamen Projekt Zoolander noch meilenweit überlegen schien, ist es dieses Mal Ben Stiller mit seiner beeindruckenden Dauerimitation des jungen Pacino, der hier die Nase vor dem Kollegen hat. Bedingungslos beugen müssen sich beide allerdings Snoop Dogg, der als Traumbesetzung des legendären Huggy Bear mit solchem Grandeur seinen klapprigen Körperbau mitsamt der mehreren Schichten Pelzmantel durch die Szenerie spazieren führt, daß er droht, den gesamten Film zu stehlen.

Trotzdem dürfte der Film für Komödienfreunde eher eine Enttäuschung werden. Ein wahres Fest erwartet dagegen alle 70er-Jahre-Fernsehnostalgiker, die ein paar ehrliche Tränen zerdrücken werden. Und auch als Lehrstunde taugt Starsky & Hutch, für alle Filmstudenten, die wissen wollen, wie man damals eigentlich Filme gedreht hat, in dieser prähistorischen Zeit vor der Steadycam. Todd Phillips jedenfalls scheint seine Bestimmung gefunden zu haben, sein nächstes Projekt, wiederum die Verfilmung einer 70er-Kultserie, ist bereits angekündigt: Der 6-Millionen-Dollar-Mann, mit Jim Carrey in der teilkybernetischen Hauptrolle. Besser, stärker, schneller. 1970-01-01 01:00
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