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Starbuck Holger Meins

D 2001. R,B: Gerd Conradt. B: Hartmut Jahn. K: Armin Fausten, Hans Rombach, Steffen Grossmann, Phillip Virus. S: Nelia Ibeh. M: Lars Löhn. P: Hartmut Jahn.
90 Min. Neue Visionen ab 23.5.02
Von Mark Stöhr Jetzt also Holger Meins. Wäre ja auch verwunderlich gewesen, wenn sein Platz im Kino-Pantheon der RAF-Bewegung leer bliebe. Gudrun Ensslin liegt da mit Margarethe von Trottas Die bleierne Zeit schon länger, Wolfgang Grams wurde letztes Jahr von Andres Veil in Black Box BRD melodramatisch zu Grabe getragen und Andreas Baader steht mit Christopher Roths gleichnamigem, im Frühsommer startenden Film kurz vor der Einäscherung.

Dazwischen natürlich noch Heinrich Breloer mit seinem TV-Doku-Spektakel Das Todesspiel, das aus politischer Geschichte einen besseren Tatort machte. Fehlen jetzt noch Ulrike Meinhof und Jan Carl Raspe, und jeder, der sich zu einem RAF-Remix berufen fühlt, sollte sich beeilen, solange der Deutsche Herbst noch heiß ist.

Die RAF ist tot, und mit jedem Film stirbt sie einmal mehr. Ihre mediale Musealisierung kappt jede mögliche Verlängerung in die Gegenwart. Wer bemüht sich denn schon um eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Kleingedruckten ihrer politischen Ideen und fragt danach, was für uns davon heute noch ernsthafte Gültigkeit besitzen könnte? Es werden die immergleichen Bürgerkriegsgeschichten aus einem dekontextualisierten Jenseits erzählt. Auch Gerd Conradt macht da mit seinem Holger Meins-Porträt keine Ausnahme. Er studierte zusammen mit Meins Mitte der 60er an der dffb und versucht, den Maler, Filmemacher und Fotographen Meins stärker zu konturieren.

Aber Holger Meins ist nunmal nicht als Künstler, sondern als Terrorist berühmt geworden, und schon rauscht der Bus mit den sogenannten Zeitzeugen heran – dieses Mal dabei u.a Harun Farocki und Rainer Langhans – und eine Flut von Zeitdokumenten bricht über einen herein. Warum nicht eine eigene Montage aus dem hochinteressanten Super8-Material von und über Meins und dem seiner Bilder, Filme und Fotos machen? Warum dieser gefällige Collagemix aus Talking Heads und Found Footage, wie ihn Fernsehredakteure lieben und fordern? Die RAF ist tot, und man sollte sie in Frieden ruhen lassen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #26.
© 2012, Schnitt Online

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