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Stadt, Land, Kuss

Town & Country. USA 2001. R: Peter Chelsom. B: Michael Laughlin, Buck Henry. K: William A. Fraker. S: David Moritz, Claire Simpson. M: Rolfe Kent. P: FR, Longfellow. D: Warren Beatty, Diane Keaton, Goldie Hawn, Garry Shandling, Andie MacDowell, Nastassja Kinski, Jenna Elfman, Josh Hartnett, Charlton Heston, Bill Hootkins u.a.
104 Min. Kinowelt ab 12.7.01
Von Frank Brenner Peter Chelsom hat 1992 mit Hear My Song ein wundervoll poetisches Regiedebüt abgeliefert, das Ned Beatty eine grandiose Rolle und dem Regisseur weltweites Lob einbrachte. Mit seinem nächsten Film, Funny Bones, machte uns Chelsom mit seinen britischen Wurzeln vertraut, indem er mit schwarzem und durchaus exzentrischem Humor zu unterhalten verstand. Seit The Mighty arbeitet und lebt Chelsom in Amerika. Dort entstand auch seine neueste, starbesetzte Komödie Stadt, Land, Kuss, sein bislang leider schwächster Film.

Vom britischen Witz des Regisseurs, der seine Drehbücher nun nicht mehr selbst schreibt, ist kaum mehr was zu spüren. Der Film erinnert vielmehr an die Boulevardkomödien Neil Simons – Herbert Ross oder Melvin Frank hätten ihn nicht anders inszenieren können. In der Tat hätte der Film in den 60er Jahren vermutlich mindestens eine Oscar-Nominierung für das Drehbuch erhalten, heute jedoch ist diese Art der Unterhaltung altmodisch und antiquiert.

Grundlage ist ein Nichts an Handlung – die sexuellen Verstrickungen zweier angegrauter Ehepaare, deren Dreh- und Angelpunkt der Playboy Warren Beatty darstellt. Drumherum hat Autor Buck Henry jede Menge Slapstick in die Geschichte eingesponnen, die sich konsequent zuspitzt und routiniert alle nur erdenklichen Situationskomikelemente auszuschöpfen weiß. Henry geht dabei nicht so meisterhaft vor wie bei The Graduate oder What's Up, Doc?, sein Talent ist bei der Handlungsführung und so manchem Gag durchaus auszumachen. Immerhin kann man in diesem Film einen herrlich selbstironischen Charlton Heston erleben, der den erzkonservativen Vater von Andie MacDowell spielt, deren Ehre er nur zu gern mit der Schrotflinte verteidigt.

Überhaupt ist Stadt, Land, Kuss mit einem guten Dutzend talentierter Darsteller besetzt, die den Zuschauer mitunter vergessen lassen, wie abgelutscht das dem Film zugrundeliegende Komödienkonzept eigentlich ist. Sowohl Peter Chelsom als auch Buck Henry haben schon bessere Filme zustande gebracht. Wer aber bei der Fernsehwiederholung alter Neil-Simon-Komödien wie The Odd Couple oder Barefoot in the Park noch lachen kann, wird sich auch hier ganz gut unterhalten. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #23.
© 2012, Schnitt Online

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