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Spiel ohne Regeln

The Longest Yard. USA 2005. R: Peter Segal. B: Sheldon Turner. K: Dean Semler. S: Jeff Gourson. M: Teddy Castellucci. P: Columbia Pictures, Happy Madison, MTV Films. D: Adam Sandler, Chris Rock, Burt Reynolds, James Cromwell, Nelly, William Fichtner u.a.
115 Min. Sony Pictures Releasing ab 22.9.05

Freakshow

Von Frank Brenner Schade. Da hatte man gerade gehofft, daß sich Adam Sandler, der Radaukomiker der 90er Jahre mit Filmen wie Punch Drunk Love als ernstzunehmender Schauspieler freigeschwommen hat, da kommt er uns mit diesem selbst produzierten Remake eines Burt-Reynolds-Kassenschlagers aus den 70er Jahren daher, das sämtliche gute Erwartungen im Handumdrehen wieder zerstreut. Wenn Robert Aldrich, der Regisseur des Originals, noch miterlebt hätte, was man aus seinem rauhen, stark dem Geschmack seiner Entstehungszeit verhafteten Film hier gemacht hat, hätte er Reynolds, seinem Star von einst, sicherlich davon abgeraten, sein Gesicht für diesen Stumpfsinn zur Verfügung zu stellen. Aber oftmals zählen eben nur die knallharten monetären Fakten, und ernstzunehmende künstlerische Bedenken lösen sich schlagartig in Luft auf.

Adam Sandler ist in der Rolle des Paul Crewe am Ende seiner Profifootballkarriere angekommen, weil er ein Spiel manipulierte und danach in der Öffentlichkeit und bei sich selbst in Ungnade gefallen ist. Als er deprimiert und alkoholisiert das Auto seiner Freundin zu Schrott fährt und etliche Polizisten persönlich angreift, wird er zu einer Gefängnisstrafe verdonnert. Im Knast soll er dem footballiebenden Direktor den Gefallen tun, eine Gefangenenmannschaft zu trainieren, die in einem spektakulären Match gegen die Wachen der Anstalt antreten soll. Doch nach eisenhartem Training erpreßt der korrupte Direktor den abgehalfterten Footballstar zu einer abermaligen Manipulation des Spiels.

In den 70ern war es gesellschaftsfähig, daß sich harte Männerfilme aus derben Schlägereien, plumpen Sexismen und aufwändigen Autocrashs speisten. Aber muß man all dies wieder aufleben lassen und noch eine ganze Kategorie schlechter anlegen als beim Original? Eine Clique schwuler Insassen, die sich mit Kußmund und knapp geschnittenen Miniröcken den abgebrühten Knastbrüdern bei jeder Gelegenheit darbieten und schließlich zu den Cheerleadern der Knastmannschaft mutieren, kann doch im Jahr 2005 wirklich niemand mehr komisch finden. Homophobe Gags tauchen auch sonst allerorten auf, wenn der Kompagnon des Direktors effeminiert mit einem Fächer wedelt, ein vermeintlich tougher Knacki mit Hilfe eines Videos als Intimfreund einer der Transencheerleader geoutet wird oder ein Koloß aus der Wärtermannschaft plötzlich seine weibliche Ader entdeckt. Zudem setzt sich das Insassenteam aus einer wahren Freakshow an Klischeeaußenseitern zusammen, damit die Leistung ihres Trainers, aus diesen Nullen Sieger gemacht zu haben, auch wirklich die Anerkennung bekommt, die ihr zusteht. Daß der Zuschauer das alles schon seit Jahrzehnten zur Genüge kennt und längst nicht mehr sehen möchte, scheint den Machern dabei entgangen zu sein. 1970-01-01 01:00
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