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Spiel des Lebens

He Got Game. USA 1998. R,B: Spike Lee. K: Malik Hassan Sayeed. S: Barry Alexander Brown. D: Milla Jovovich, Denzel Washington, Ray Allen u.a.
135 Min. Kinowelt ab 21.1.99
Von Christine Ehret Der deutsche Filmverleih weiß, was er tut, wenn er diesem Sportlerdrama mit dem Originaltitel He Got Game für den hiesigen Markt das Gütesiegel des Malcolm X-Regisseurs Spike Lee aufdrückt. Lee hat immer sehr persönliche Filme gemacht, die gleichzeitig ein politisches Potential besaßen, da sie sich meistens mit dem Alltag der afroamerikanischen Bevölkerung beschäftigten. Unterstützt wird dieser Realitätsbezug durch seinen inszenatorischen Hang zum Dokumentarischen, welcher zuletzt in seinem oscarnominierten Film 4 Little Girls zum Tragen kam.

Vielleicht waren es die Werbespots für Nike, die ihn zu seinem neuesten Thema führten: Basketball als Erfolgspfad aus dem Ghetto. Und in der Tat erinnert die Inszenierung des amerikanischen Nationalsports in Zeitlupe und Großaufnahmen nicht selten an Werbung. Diese abgehobene Hommage gewinnt jedoch durch in die Kamera gesprochene Statements, realitätsnahe Hinterhof-Kulissen und ergreifend menschliche Fehlbarkeiten an Bodenhaftung zurück. Hinzu kommt die Besetzung der Hauptrolle des jungen aufstrebenden Basketballstars Jesus Shuttleworth mit dem Profisportler Ray Allen, der sich mit den inneren Konflikten zwischen Sportkarriere und Highschool-Abschluß sehr gut identifizieren kann.

Shuttleworth wird von allen Seiten zum Einstieg in die glitzernde Welt des Profisports gedrängt: von seinem Trainer, der Presse, seiner Freundin. Sein Vater Jake wird sogar für eine Woche aus dem Gefängnis entlassen, um Jesus zu einer Sportkarriere zu überreden. Doch dieser hat Jake noch nicht verziehen, daß seine Mutter durch ihn ums Leben kam. Er fühlt sich ihr näher als allen anderen, da sie die einzige war, die nie von seinem Können profitieren wollte. Manchmal etwas zu plakativ und redundant geraten, gibt diese Vater-Sohn-Geschichte einen interessanten Einblick in die Abgründe des Ruhms. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #13.
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