— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Spiel der Götter – Als Buddha den Fußball entdeckte

Phörpa. AUS/BHT 1999. R,B: Khyentse Norbu. K: Paul Warren. S: John Scott. M: Douglas Mills. P: Palm Pictures, Coffee Stain. D: Jamyang Lodro, Orgyen Tobgyal, Neten Chokling.
123 Min. Advanced ab 28.10.99
Von Anatol Weber Das Millennium ist noch nicht erreicht, schon wirft das neue Jahrtausend seine Schatten voraus. Die Fußball-WM 2002 in Japan und Südkorea wird in politischer und kultureller Hinsicht eine Menge zu bieten haben. Schon 1988 bei den Olympischen Spielen in Seoul wußten die Asiaten die Gemüter der Kicker zu verwirren. Nicht Tore und technische Kabinettstückchen wurden bejubelt, sondern Fouls, je grober, desto lauter. Die europäische Socceraristokratie dagegen freut sich mal wieder auf Fußballentwicklungsländer, und die gierigen Hände der außersportlichen Fummler greifen schon jetzt den Höschenautomaten Tokyos entgegen. Doch machen wir hier einen Schnitt und kehren der Zukunft den Rücken. Freuen wir uns lieber auf zwei Filme aus Ländern, die sich wahrscheinlich nicht qualifizieren werden: Bhutan hat keine Mannschaft, und Malaysia gewinnt nur während der Regenzeit.

Spiel der Götter führt uns in ein tibetanisches Exilkloster zu den Mönchen und ihrer Begeisterung während der letzten Fußball-WM. Es ist ein einfacher, sehr besinnlich erzählter Film, voll des unvergleichlich spitzbübischen Humors der Lamas und von einer inneren Ruhe und Entspanntheit, die gegensätzlicher zur Fußballeuphorie nicht sein kann. Aber Vorsicht! So friedvoll sind die Mönche gar nicht, wenn sie Ronaldo oder Zidane nicht mehr zusehen können, und es bleibt die Frage, ob eine tibetanische Nationalelf die Grundfesten des Buddhismus nicht erheblich erschüttern würde.

Das Debüt von Khyentse Norbu ist zugleich der erste Spielfilm, der in tibetanischer Sprache und von einem ranghohen Lama gedreht wurde. Auch die Laiendarsteller sind Mönche, Schüler und religiöse Hoheiten, die die Dreharbeiten ganz auf ihren Alltag abgestimmt haben, um ihren Pflichten im Kloster gewissenhaft nachzukommen. Khytense Norbu ist kein Abgesandter einer neuen Generation, die ihr Erbe verleugnet, vielmehr versucht er, seiner Religion neue Ausdrucksformen und Möglichkeiten zu eröffnen, denn besonders der Film ist bei seinen Glaubensbrüdern dank der Lasterhölle Hollywoods sehr verschrien. Die buddhistische Männergemeinschaft kann unbesorgt sein, keine Frau trübt den Sportgenuß, Trikot- statt Körperflüssigkeitstausch. Die heiße Mixtur aus Kriegsgeheul und Völkerverständigung wird dank Khyentse Norbu zur erfrischenden Ode auf Toleranz und Offenheit. Tor für Tibet!

Malaysias Probleme mit dem Toreschießen wurden bereits erwähnt, und so leistet sich From Jemapoh to Manchester einigen Leerlauf und ungenaues Paßspiel. Aber anders als Norbu, der die Welt mit seiner Botschaft und jetzt mit seinem Film bereist, darf Regisseur Hishamuddin Rais sein Land nicht verlassen und hat noch immer unter den Repressalien der Regierung für sein Engagement in der revolutionären Untergrundbewegung zu leiden. Natürlich standen ihm auch keine amerikanischen und australischen Geldgeber zur Seite. Buddha und Tibet sind eben besser zu verkaufen, und so bewegte sich auch der Dreh häufig im Grenzgebiet der Legalität.

Der Film benutzt den Fußball mehr als Metapher für Befreiung und das Leben von Träumen, und so verlassen die beiden Freunde die Provinz, um zu ihrem Idol George Best, der schon längst am Nagel hängt, nach Manchester zu reisen. Daß sie bei ihrem Trip durch den malaysischen Untergrund nicht weit kommen, ist am Ende nicht weiter bedeutend, denn auch From Jemapoh to Manchester berührt durch seinen unerschütterlichen Glauben daran, daß alles machbar ist. Und dafür ist Fußball als Teamsport natürlich ein wunderbares Spielfilmfeld. 1970-01-01 01:00

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