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Spiel auf Sieg

Glory Road. USA 2005. R: James Gartner. B: Christopher Cleveland, Bettina Gilois. K: Jeffrey L. Kimball, John Toon. S: John Wright. M: Trevor Rabin. P: Glory Roads Prods., Jerry Bruckheimer Films u.a. D: Josh Lucas, Derek Luke, Austin Nichols, Jon Voight u.a.
117 Min. Buena Vista ab 6.4.06

Besser als Schokolade

Von Vera Schroeder Sportfilme sind wie Nußnougatcreme. Wer's mag, dem schmeckt's eigentlich immer. Es gibt welche von besserer Qualität und welche von schlechterer – doch im Grunde ist das ziemlich egal. Die Substanz an sich macht glücklich. Kakaobohnen eben oder gut bepackte Jungs in Zeitlupe, im Wettkampf und mit Ball. Spiel auf Sieg ist ein Nutella-Film. Ein Markenprodukt unter den Sportfilmen. Nach bewährter Rezeptur souverän zubereitet, vom Entertainment-König Jerry Bruckheimer massentauglich abgeschmeckt und mit Extragimmicks aufgepeppt. Eine »wahre Geschichte« dient als Vorlage, ein sozialkritischer Hintergrund schafft Relevanz. Spiel auf Sieg erzählt die Geschichte des jungen Basketballtrainers Don Haskins, der in den rassenstrengen Südstaaten der 1960er erstmals schwarze Spieler durch die Sporthallen der Collegeliga jagt. Eine Not läßt ihn darauf kommen, die Texas Western University von El Paso hat kein Geld, keinen Ruf und erst Recht keine guten Spieler. Also castet er sich starke Jungs von den Straßen der Schwarzenviertel in New York und Detroit, holt sie an die weiße texanische Uni und erteilt allen altbackenen Skeptikern eine Lehrstunde in punkto Vorurteile und Rassismus. Am Ende gibt ihm der Erfolg natürlich Recht, und die Revolution dieses Sports vom soliden Ballspiel der Weißen in die große Show der Schwarzen hat begonnen.

Der ehemalige Werbefilmer James Gartner erzählt seinen Film in stilechter 1960er-Jahre-Ästhetik. Spiel auf Sieg ist nicht zuletzt deshalb sehr hübsch anzusehen. Gut gebaute junge Schauspieler tun ihr übriges, als sympathische harte Jungs mit weichen Herzen inszeniert. Es sind die jungen weißen Spieler, die als erstes ihre Vorurteile gegen ihre neuen Basketballkollegen verlieren. Der offensive Rassismus, der ihnen als Mannschaft von außen entgegen schlägt, schweißt sie zusammen und sorgt dafür, daß am Ende ihr Kampf um die Meisterschaft eben nicht mehr einfach nur ein Spiel ist, sondern ein Kampf für mehr Gerechtigkeit.

So schafft es der Film, ganz abgesehen von der sportfilmüblichen, spannenden »letzter-Korb-in-letzter-Sekunde-Dramaturgie«, eine Geschichte zu erzählen, die bis heute ihre Relevanz erhalten hat. Eines Abends zieht das schwarz-weiß gemischte Team aus. Diesmal geht es nicht auf eine weiße Collegeparty, diesmal landen sie in einem schwarzen Jazzclub. Die weißen Jungs sind plötzlich die Außenseiter, erst werden sie komisch angeguckt, irgendwann sitzen alle betrunken auf der Terrasse. »Wie soll man denn jetzt eigentlich korrekt zu Euch sagen: ›Coloured‹ oder ›Black‹?«, fragt ein Weißer. »Black!«, erwidern die Schwarzen. »Aber ich dachte, ›black‹ sei ›bad‹«, sagt der Weiße. »Nein, bei uns ist ›black‹ ›good‹« – »Und was ist dann ›bad‹?«, fragt der Weiße. Und das ganze absurde Dilemma der political correctness offenbart sich auf der Leinwand mit dieser kleinen Konversation.

Nach zwei Stunden Spiel auf Sieg sitzt man gut gelaunt im Kinosessel, mit dem Bedürfnis, sich sofort zu bewegen. Aber es ist nicht das schlechte Gewissen, das einen nach dem Genuß eines halben Glases Nutella ereilt und vor die Türe treibt. Es ist die pure Lust am Sport, die durch Spiel auf Sieg in einem geweckt wurde. Weil es dabei eben um viel mehr geht, als um Leibesertüchtigung. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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