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Spider-Man 3

USA 2007. R,B: Sam Raimi. B: Alvin Sargent, Ivan Raimi. K: Bill Pope. S: Bob Murawski. M: Christopher Young. P: Columbia Pictures. D: Tobey Maguire, Kirsten Dunst, James Franco, Thomas Haden Church u.a.
139 Min. Sony ab 1.5.07

Blacksploitation

Von Dietrich Brüggemann Wenn ein Film schon von selbst so viel öffentliche Aufmerksamkeit erfährt wie dieser, dann lohnt es sich manchmal, den Film als ganzes einfach mal Film sein zu lassen und sich einem Teilaspekt zuzuwenden. Und da findet man ohne großes Suchen eine interessante Parallele.

Spider-Man wird in diesem Film von einer klebrigen, schwarzen Substanz außerirdischen Ursprungs bedrängt, die sich an seinen Anzug heftet und diesen schwarz verfärbt. Damit einher gehen neue, interessante Kräfte und ein inneres Hochgefühl, aber auch eine bedenkliche Charakterveränderung – aus dem unverrückbar netten Kerl wird auf einmal ein leicht sinistrer Typ, der im Privatleben auf einmal so verruchte Dinge tut wie Besuche in Jazzclubs und das Einkaufen schicker Klamotten. Beruflich, also im Spinnenkostüm, wird er aggressiver und nicht nur äußerlich etwas finsterer. Der Held entdeckt also seine dunkle Seite, er erliegt den Verlockungen des Bösen und macht sich, das liegt in der Natur des Genres, natürlich auch wieder frei von ihnen.

Es scheint da ein Gesetz zu geben, daß im dritten Teil der Serie, wenn man den Superhelden zwei Filme lang durch Selbstfindung und allerlei Abenteuer geschickt hat, der Kampf dann ein Innerer zu sein hat – zumindest gab es das schon einmal, nämlich bei Superman. Es ist mittlerweile 24 Jahre her, daß im Jahre 1983 auch der Mann aus Stahl den Kampf gegen sich selbst führen mußte. Damals hieß der Regisseur allerdings Richard Lester, und Superman III war eigentlich eine verkappte Komödie – »Superman«, damals von Christopher Reeve gespielt, stellte sich unrasiert aufs Dach des Olympiastadions und pustete die olympische Fackel aus. Viele Leute nahmen diesen Erzähltonfall übel, weil sie fanden, daß ein Superheld nicht so lustig sein sollte, aber es gibt starke Argumente, die dafür sprechen, daß ein Superheld sowieso immer entweder freiwillig lustig oder unfreiwillig lächerlich ist.

Die Zeiten haben sich geändert, und von heute aus denkt man sich, ach, was waren die 80er Jahre doch sonnig, da gab es keine echten Probleme und alles war lustig. Heute ist alles irgendwie schrecklich, und selbst im an sich eskapistischen Superheldenfilm sind die Probleme gigantisch: Spidermans dunkles Alter Ego, sein unentschlossen zwischen Freund und Feind schattierender Kumpel mit dem fliegenden Skateboard, ein rabiater Mann aus Sand mit rapide schwankender Körpergröße und schließlich ein schwarzes Supermonster namens »Venom«. Dazu kommen die Probleme im Privatleben, nämlich Peter Parkers immer leicht nervige Freundin Mary Jane. Diesmal gibt es auch eine nette Nachbarin, die auch in ihn verknallt ist, die ist lustiger und sowieso viel interessanter als Kirsten Dunst, und man möchte ihnen zurufen: Küßt euch! Ihr paßt viel besser zusammen! Aber so weit kommt es natürlich leider nicht.

War zumindest der erste Teil noch lustig und in sich irgendwie stimmig, so scheinen Sam Raimi hier die Fäden etwas entglitten zu sein: Spider-Man 3 ist eine gute halbe Stunde zu lang, zu durcheinander und ohne ein gutes, zentrales Thema, an dem man einen Film aufhängen könnte. Er hat so ein Thema schon, nämlich die dunkle Seite, aber die wird höchst lustlos eingeführt, verschwindet dann für eine knappe Stunde komplett aus dem Film, kommt dann eher spät zum Vorschein und wird dann sehr schnell wieder besiegt. Wie das in Superman III damals war, weiß ich nicht mehr so genau, aber insgesamt war es lustiger. 1970-01-01 01:00
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