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Sphere

USA 1998. R: Barry Levinson. B: Stephan Hauser u.a. K: Adam Greenberg. S: Stu Linder. M: Elliot Goldenthal. D: Dustin Hoffman, Sharon Stone, Samuel L. Jackson, Peter Coyote u.a.
124 Min. Warner ab 9.4.98
Von Nikolaj Nikitin »Warum? Nur für den Kick, für den Augenblick?« Warum dreht der Meister einen Film, den man trotz aller Liebe nicht als Meisterwerk bezeichnen kann? Ich mag eigentlich keine Unterwasserfilme, ich mag auch keine Horrorfilme, wo man nix sieht, aber ich mag Filme von Barry Levinson.

Was ist also stärker? Der eigenwillige, zwar oft »mainstreamige«, dabei jedoch stets introvertierte Stil eines Regisseurs oder die Probleme eines Genres, die Holprigkeit einer Romanvorlage? Zugegeben: Von alldiesen Bestsellern lieferte, neben vielen Pleiten, Michael Crichton einige der spannendsten Filmvorlagen (und gar noch eigene Regieprojekte) ab. Die Story: Wissenschaftler sollen ein angeblich 300 Jahre altes Ufo bergen. Ufo ist gar nicht Ufo, sondern aus der Zukunft stammendes USA-Raumschiff. Rätsel! Im Inneren die namensgebende Sphere, eine goldene Kugel. Um das Ganze zu raffen: Typ steigt in die Kugel, kommt total »strange« raus, gemächlich steigert sich der Bodycount, und das Ganze hat eine sehr ethische Auflösung: Der Mensch ist besser als gedacht, jedoch noch nicht gut genug.

Was funktioniert: Hervorragende Schauspielerleistungen! Allen voran der aus der Versenkung immer mehr (und das natürlich zur Freude aller »Cinedustin«) ins Rampenlicht rückende Hoffman – sorgte nicht gar Levinson für sein Comeback mit Rain Man nach dem Riesenflop Ishtar und für ein erneutes mit Sleepers? Kaum ein anderer – inzwischen mit soviel Würde ins Alter gekommene – Schauspieler schafft es mit einem derart trockenen Humor, derart verzweifelte Umstände aufzuklären. Und er ist halt eine Figur, die Levinsons Œuvre vertraut ist. Er ist nicht bloß der Autist, er ist genauso Paul Reisers Charakter, der seinen Tischnachbarn auf eine penetrante Art nach den Resten seines Roastbeefsandwiches fragt. Miss Stone, mit einem adretten Kurzhaarschnitt, liefert nach The Quick and the Dead die vielleicht beste Leistung ihrer Karriere als suizidgefährdete Wissenschaftlerin. Daß Samuel L. Jackson zu den Besten der Besten gehört, ist längst bekannt – inzwischen ist es auch in Berlin angekommen, worauf man ihm prompt einen Bären aufgebunden hat. Und Peter Coyote wieder auf der Leinwand zu sehen…

Was funktioniert nicht? Das Ambiente, das überteuerte Setdesign, die unnötigen, wenn auch sehr effektiven Horroreffekte – in ihren besten Momenten erinneren sie an Levinsons vielleicht durchkonstruiertesten Film Young Sherlock – hier sind es Schlangen, dort waren es Eclairs.

Der in den Kinos laufende Wag the Dog zeigt, wo das wahre Terrain Levinsons liegt: in der menschlichen Tragikomödie – zwar auf der höchsten sozialen Ebene, aber immer noch auf der Erdoberfläche. Sphere ist mit Sicherheit der amüsanteste all dieser dunklen Streifen von Alien bis Abyss, aber in der Levinson-Hitliste erreicht er keine spherischen Höhen, sondern bleibt auf dem Boden. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #10.
© 2012, Schnitt Online

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