Spice Boys
Von Oliver Baumgarten
Schon einmal, 1982, verschlug es Clint Eastwood mit
Firefox in die tollkühne Welt der Fliegerei, in einen Spionagefall mit der Sowjetunion, wo ihm in der Darstellung des Feindbildes so ein klein wenig die Ironie abhanden kam. Sein Held in
Firefox krankte an einer Vietnam-Vergangenheit, die alles bierernster erscheinen ließ als es Eastwood tatsächlich beabsichtigte.
Frank Corvin, der Held aus
Space Cowboys, hat mit seinen knapp 70 Jahren eine Vergangenheit, die weit weniger dem Pathos verhaftet ist. Sein wunder Punkt findet sich darin, daß er 1958 mit seinem Air Force Team »Daedalus« nicht wie geplant die erste Raumfahrt durchführen durfte. In letzter Sekunde übernahm damals die NASA und ersetzte sein Team durch einen Schimpansen. Vierzig Jahre später erst, als ein uralter russischer Satellit abzustürzen droht, schlägt Frank Corvins Stunde. Er ist mit seinem Team »Daedalus« der einzige noch Lebende, der die vorsintflutliche Technik zu reparieren versteht. Und so rüsten sich die Rentner für eine Rettungsmission im All.
Es ist schon brillant zu beobachten, wie es Clint Eastwood immer wieder gelingt, Figuren und Filme seinem fortlaufenden Alter auf so treffliche Weise anzupassen. Wo das Icon Eastwood in
Unforgiven oder
In the Line of Fire (beide 1992) noch jugendlichen Tugenden nacheifert, das Alter negiert, um sogleich umso schmerzvoller daran erinnert zu werden, da erkennt es seit
The Bridges of Madison County (1995), daß das Alter den Menschen nicht ändern muß, sondern höchstens dessen Prioritäten.
Und so bleibt der Kern der Eastwood-Figur in
Space Cowboys unberührt. Ein streitbarer Draufgänger und doch ein Sensibelchen mit ausgeprägter, eigener Auslegung von Gerechtigkeit. Eastwood war einst ein Einzelkämpfer, wie ihm auch hier von seinem Vorgesetzten mehrfach vorgehalten wird: »Du bist nicht teamfähig.« Doch diesmal ist es anders. Er holt sich gleichwertige Hilfe und ist alles andere als alleiniger Weltenretter. Eastwoods Mannschaft ist mit Tommy Lee Jones, Donald Sutherland und James Garner umwerfend besetzt. Mit großem Spaß wagen sich die ehrwürdigen Film-Alten noch einmal auf das Terrain im Stile eines
Mission to Mars und
Armageddon (wo selbst Bruce Willis bereits der Opa-Generation angehörte) und stolzieren mit geschwellter Brust und unter ironisierten Heroen-Klängen in Untersicht auf das NASA-Gebäude zu.
Und ähnlich souverän, wie dort Team »Daedalus« seine altersweisen Qualitäten beweist, führt die alteingespielte Technik-Crew um Regisseur Eastwood eindrucksvoll vor, wie viel wichtiger handwerkliche Brillanz vor bloßem Tempo ist. Unangestrengt wirkt die Inszenierung. Nicht die wahnwitzigen Heldentaten kostet Eastwood inszenatorisch aus, sondern das betont Nichtheldische, das Normale, das vielleicht auch Unangenehme. Die nicht mehr ganz so taufrischen nackten Hintern der Vier während der ärztlichen Untersuchung, ein Junge, der Tommy Lee Jones' Flugzeug vollkotzt, das rutschende Gebiß von Donald Sutherland.
Damit zeigt sich
Space Cowboys aber nicht etwa als geruhsamer filmischer Seniorenausflug, sondern bezieht gerade aus der Besonnenheit der Montage, der umsichtigen Regie und der blitzsauberen Kameraarbeit seine Faszination. Als Frank Corvin mit seinem Team von Jay Leno gefragt wird, für wen sie denn gekämpft hätten im Krieg, für die Nord- oder die Südstaaten, da zwingt er sich ein selbstsicheres Lächeln auf das Gesicht. Eines, das vielleicht Clint Eastwood selbst den Jungspunden entgegnen würde, die ihn als altmodisch bezeichnen und dabei vergessen, daß er sein Regiefach bei Leone und Siegel gelernt hat. Einflüsse, die noch heute zu sehen sind und die eines immer garantieren: handwerklichen Hochgenuß.