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South Park – Der Film

South Park: Bigger, Longer & Uncut. USA 2000. R,B: Trey Parker. B: Matt Stone, Pam Brady. M: Marc Shaiman.
81 Min. Warner Bros ab 20.1.00

An der Grenze des Geschmacksvollen

Von Valeria Füchtner Wieder einmal kommt eine amerikanische Zeichentrickserie auf die deutschen Kinoleinwände. Nach Beavis and Butthead do America erscheint nun South Park: Bigger, Longer & Uncut. Die Hauptfiguren Stan, Kyle, Kenny und Cartmann, eine Truppe von Kleinstadtschuljungen, sehen den nicht jugendfreien, kanadischen Film »Terence and Phillipp«, deren Musiktitel »Uncle Fu**a« zum Hit avanciert.

Trey Parker und Matt Stone beweisen, daß ihre immer am Rande des Zumutbaren entlang balancierende, vulgäre und Fäkalhumor lastige Kultserie auch größtenteils als Film funktioniert. In »South Park« löst der Film »Terence and Phillipp« eine Welle des Protestes seitens der schockierten Eltern aus, welche in einem Krieg gegen Kanada gipfelt. Obwohl South Park: Bigger, Longer & Uncut Tabus bricht und es ihm an jeder ›correctness‹ mangelt, birgt er, wie jede Folge der Serie, einen moralischen Fingerzeig – Toleranz zu üben und nicht das Eigentliche (das Wohlergehen der Kinder, Kommunikation) aus dem Auge zu verlieren.

South Park greift die wiederkehrenden Erzählelemente der Serie auf, so stirbt Kenny und Kyle muß sich ständig angesichts seines Schwarms übergeben. Ebenso entsprechen die musicalhaften Gesangspassagen der Seriendramaturgie, alle Texte stammen aus der Feder Trey Parkers, jedoch wandelt sich ihr positiver Effekt durch die Vielzahl der Songs zum Generve, darüber helfen auch die passend besetzten Synchronstimmen eines Heinz Hoenig oder Heiner Lauterbach nicht hinweg.

Zusätzlich zu den einzelnen Hauptakteuren der Serie, werden neue Figuren, wie beispielsweise der »Maulwurf«, ein mit französischem Akzent sprechender Revolutionsexperte, eingeführt, die den Figurenstamm gut ergänzen. Gleichzeitig scheint im Film die Dramaturgie der Serie nur aufgeblasen und geht nicht über sie hinaus. Auch die Gestaltungsweise von South Park: Bigger, Longer & Uncut entspricht überwiegend der Formgebung der Serie. Die Zeichentrickfiguren kennzeichnen sich durch ihre Flächigkeit und marionettenhafte Bewegungen. Computeranimationen gepaart mit Fotoausschnitten lassen collageartige Bilder entstehen. Die in der Serie für Überraschungsmomente sorgenden Realaufnahmen bleiben dem Film erspart.

South Park: Bigger, Longer & Uncut weist eine ungeheure Liebe zum Detail, beispielsweise in der Wahl der »Requisiten« (so ist das Lieblingsspielzeug des in der Hölle schmorenden Saddam Hussein eine Hitlerpuppe), sowie den durchdachten Figuren, auf. Dennoch entspricht die Serie South Park nicht dem Anspruch der vergleichbaren amerikanischen Serie The Simpsons, die durch ihr ausgefeiltes Drehbuch besticht. Letztlich ist South Park ein – der – Film für Fans der Serie und Kenner des amerikanischen Witzes, der mit kulturell bedingten Vorurteilen und Tabus spielt und zeigt, wie weit man gehen kann. Das Schicksal, welches den Film »Terence und Philip« ereilt, könnte jedoch auch South Park: Bigger, Longer & Uncut blühen: so mancher Zuschauer mag angesichts der Versautheit und des makabren Witzes seine Schmerz- und Toleranzgrenze überschritten sehen. 1970-01-01 01:00
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