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Soul in the Hole

USA 1995. R: Danielle Gardner. K: Paul Gibson. S: Melissa Neidich.
96 Min. Real Fiction ab 14.5.98
Von Lisa Schneider Brooklyn im Sommer, 40 Grad im Schatten, selbst der Mann im Radio, mit Funky Music im Hintergrund, stöhnt, sogar der Teufel liege mit dem Ventilator im Bett.

Dennoch drängen sich die Menschen in den Parks und »Projects«, um ein weiteres Spiel des jährlichen Summer-Streetball-Tournaments Soul in the Hole zu erleben, aus dem die »Kenny's Kings« bislang ungeschlagen hervorgegangen sind.

Die Stimmung ist geladen, und die Schiedsrichter haben alle Hände voll zu tun, die aufgebrachten Gemüter innerhalb und außerhalb des Spielfelds zu beruhigen – keine Frage, hier im schwarzen Teil Brooklyns ist Basketball mehr als bloß ein Spiel, hier ist Basketball tödlicher Ernst.

Einen Sommer lang hat die Regisseurin Danielle Gardner das wohl beste Streetballteam Brooklyns, die »Kenny's Kings«, zu den Spielenbegleitet. Entstanden ist ein eindringlicher Dokumentarfilm, der es versteht, das Leben in den »Projects« einzufangen, wo Basketball oft die einzige Zukunftsperspektive ist.

»Wenn ich nicht in die NBA komme, werde ich Drogendealer«, erklärt Ed »Booger« Smith, die unangefochtene Nr.1 im Team. Schon mit sechs Jahren war er ein Star und in den Augen vieler ist er übergeschnappt, weil er die Publicity nicht verträgt, ein Halbwüchsiger, den die Straße erzogen hat. Auch er ist eines der vielversprechenden Basketballtalente, die sich Chancen auf ein Stipendium ausrechnen dürfen, einer derjenigen, für die Basketball der Ausstieg aus dem Ghetto sein könnte. Aber: Du kannst den Jungen aus dem Ghetto rausholen, doch nicht das Ghetto aus dem Jungen. Dies befürchtet Kenny Jones, Namensgeber der Kings, Coach und basketballverrückter Taschengeldsponsor mit deutlichem Hang zur Selbstdarstellung. Er ist Boogers Ersatzvater, der von sich behauptet, jede vernünftige Arbeit anzunehmen (und vernünftig ist in den Projects eigentlich alles, was nichts mit Waffen oder Drogen zu tun hat). Kenny glaubt, daß es bei seinem Schützling an dieser Einsicht mangeln könnte: »Du kannst Booger nicht von der Straße fernhalten«. Freiwillig bleibt Booger nur der Schule fern. »Auf der Bank schlafen, draußen bleiben bis die Sonne aufgeht, dann nach Hause zum Schlafen und wieder losziehen«: Das würde ihm einfach fehlen.

Stimmungsvolle Bilder, die für sich selbst sprechen, angereichert mit einer Vielzahl von O-Tönen zeichnen diese Dokumentation aus und entführen den Zuschauer in eine Welt zwischen Slam-Dunks und Drug-Dealing. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #10.
© 2012, Schnitt Online

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