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Sophie Scholl – Die letzten Tage

D 2004. R: Marc Rothemund. B: Fred Breinersdorfer. K: Martin Langer. S: Hans Funck. P: Goldkind, Broth Film. D: Julia Jentsch, Fabian Hinrichs u.a.
117 Min. X Verleih ab 24.2.05

Vom Glauben an eine bessere Welt

Von Ekkehard Kern Die Enge und Dunkelheit im Strafgefängnis München-Stadelheim machen benommen. Doch ein von Menschenhand gebauter Hochsicherheitstrakt kann niemals das zerstören, was jemand im Herzen trägt, der hofft. Auf Krieg muß immer Frieden folgen. Auch in diesem Land, das den Glauben an sich selbst verloren zu haben scheint. Wenn Sophie sich hilflos an das Gitterfenster ihrer Zelle hängt, um einen Blick Himmel zu erhaschen, dann ist sie sich dessen wieder sicher. Marc Rothemund erzählt von den letzten sechs Tagen aus dem Leben der unvergessenen Sophie Scholl. Anders als in Michael Verhoevens Die weiße Rose von 1982 liegt das Augenmerk hier jedoch besonders auf dem Verhör der Verurteilten.

Interessant, daß Kriminalobersekretär Robert Mohr, Sophies Gegenüber, seine wahren persönlichen Züge partiziell offenbaren darf. Er ist einer von all denen, die die Blasiertheit über den Verstand haben siegen lassen. Seine moralische Legitimation speiste sich nun über all die Jahre bequem aus dem indoktrinierten Irrglauben an die NS-Ideologie. Und jetzt? Seine andauernden Zorntiraden während des Verhörs geben der Recht, die da tapfer am anderen Ende des Tisches sitzt und auf jede seiner Fragen eine Antwort weiß. Mit der Wahrheit so plötzlich auf so unbarmherzige Art konfroniert zu werden, das tut weh. Da muß man fühlen. Und schreien. Und nachdenken. Tage später, kurz vor der Hinrichtung Sophies, steht er wortlos in der Tür, der Mohr. Schaut sich dieses Mädchen noch einmal an, das ihm das wieder zurück gegeben hat, was ihn einst so glücklich machte. Jetzt schaut er traurig. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #37.

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