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Somersault

AUS 2004. R,B: Cate Shortland. K: Robert Humphreys. S: Scott Gray. M: Decoder Ring. P: Red Carpet. D: Abbie Cornish, Sam Worthington, Lynette Curran, Erik Thompson, Hollie Andrew u.a.
105 Min. Prokino ab 19.5.05

Vorstadttragödie

Von Christian Lailach Wenn du am Ende wieder am Anfang stehst, kann es interessant werden. Nicht aber, wenn du den Sprung eigentlich schon gewagt hast; das Leben würde zu einer Endlosschleife bisher Geschehenem. Oftmals liegt die Entscheidung bei dir, auch wenn es gar nicht recht bewußt werden mag. Dazu gleich ausführlicher.

Heidi wohnt in einer australischen Kleinstadt. Dort schläft sie mit nahezu allen Männern. Sie flieht von daheim, findet Unterschlupf bei Irene in den australischen Bergen. Sie verliebt sich in Joe. Genau hier springt die Maschine der Erkenntnis an: Selbstzweifel, gar Selbsthaß konkurrieren mit teils erwiderten, teils enttäuschten Liebesgefühlen. Heidi dringt immer mehr in ihr Inneres vor, doch ihre Umwelt mag ihr nicht in jedem Schritt folgen. Eigentlich ist sie auch erst sechzehn und darf nicht so stark an der Erkenntnisschraube drehen; und überhaupt soll der Film auch ein wenig Vorstadttragödie sein. Weshalb, bleibt unergründlich.

So werden jegliche Aussagen in emotional geprägte Handlungen verpackt, keinesfalls evident artikuliert. Das, was dann doch gesprochen wird, bleibt oberflächlich und schafft es nicht, die vorhandene Intensität des Gespielten zu forcieren. Shortland geht in den letzten, rettenden Sequenzen bis zum narrativen Herzstillstand, Nullinie, Reanimation Nonsens, Fall ins Wachkoma. Was ihr daher nicht gelingt, ist, nachhaltig anzuregen, aufzuwühlen oder zumindest der wohl erkennbaren Geschichte eine Grenze zu setzen. Überzeugend agierende Schauspieler sind kraft ihrer Möglichkeiten nicht imstande, die sich ebenso bewegend darstellenden Berge zu versetzen.

Somersault könnte mehr sein als nur das pubertäre Ausreißen um einer lauen Selbsterkenntnis willen. Eine schlüssige Geschichte verheißt in diesem Falle noch keinen schlüssigen Film. Zwei Drittel weniger sinnfremder Rahmen, weniger konstruierter Realitätszwang ließen ein Drittel prägnanten Kern. Oder so ähnlich. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #38.
© 2012, Schnitt Online

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