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Soloalbum

D 2003. R: Gregor Schnitzler. B: Jens-Frederick Otto, Christian Zübert. K: Gero Steffen. S: Hansjörg Weißbrich, Alexander Dittner. M: Fetisch & Meister. P: Goldkind. D: Matthias Schweighöfer, Nora Tschirner, Oliver Wnuk, Christian Näthe u.a.
87 Min. Concorde ab 27.3.03

Pop raus, Klamauk rein

Von Sascha Seiler In letzter Zeit konnte man Benjamin von Stuckrad-Barre ja aufgrund seiner Beziehung zu einer berühmten deutschen Komödiantin häufiger in den Klatschspalten bewundern, was einen sehr unangenehmen Nebeneffekt hatte: Da wurde der Autor, der Einfachheit halber, als »Dichter« tituliert. Die meisten Leser verbinden mit diesem Wort ja immer noch Leute wie Friedrich Schiller oder Johann Wolfgang von Goethe – ein ungewollter Ritterschlag für den literarisch eher limitierten Showman. Doch trotz allem muß man seinem Debüt »Soloalbum« ja eines lassen: Es ist lustig. Es ist sogar auf eine gewisse Weise originell, wie Stuckrad-Barre jedes Kapitel nach einem Oasis-Song benennt und als eine Art Harald Schmidt für Arme über popkulturelle Randgruppen von Althippies bis Heinz Rudolf Kunze lästert. Ein Film hätte mit einem gewissen Grad an Light-Anarchismus sicherlich lustig und unterhaltsam werden können. Und jetzt wird dem »Dichter« das angetan.

Wer schon meinte, Stuckrad-Barres selbstgefällige Elogen über den guten Geschmack im Pop seien unerträglich gewesen, der schaue sich diesen Film an, um Zeuge der wahren Geschmacklosigkeit in der populären Kultur zu werden, denn im Grunde fehlt diesem Film nur eines, um in seiner anbiedernden, pseudolustigen Art vollkommen zu sein: Katja Riemann. Aber darauf sind die Filmemacher wohl einfach nicht gekommen. Schade eigentlich, denn Gregor Schnitzlers letztes Werk, Was tun wenn's brennt, stellte sich, trotz einer hohen Peinlichkeitsgefahr, als kleines Meisterwerk heraus, so locker ging er mit dem Thema der ehemaligen Hausbesetzer und ihrer mehr oder weniger gelungenen Sozialisierung um.

Doch an diesem Film ist nahezu alles mißlungen: Von der pseudowitzigen Buddy-Movie-Konstellation – immerhin war der Protagonist im Buch ein notorischer Einzelgänger – bis hin zu den In-Gags wie dem Cameo-Auftritt von No-Angel Sandy Möller. Doch das Schlimmste ist, daß Schnitzler das Pop-Element des Romans bis auf wenige Ausnahmen ignoriert und das Liebesdrama voll ausbreitet. Ein besonderer Clou des Romans war ja, daß die Angebetete gar nicht vorkommt, aber was wäre so ein Film ohne weibliche Hauptrolle.

Also sagte sich Schnitzler: Pop raus, Liebe und Klamauk rein – was den Film zu einem vollkommen humorlosen Konglomerat aus albernen Slapstick-Szenen und als Situationskomik verkaufte Albernheiten macht. 1970-01-01 01:00
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