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So was wie Liebe

A Lot Like Love. USA 2005. R: Nigel Cole. B: Colin Patrick Lynch. K: John de Borman. S: Susan Littenberg. M: Alex Wurman. P: Touchstone Pictures, Beachon Pictures. D: Amanda Peet, Ashton Kutcher, Kathryn Hahn, Kal Penn u.a.
107 Min. Buena Vista ab 23.6.05

When Oliver Met Emily

Von Patrick Hilpisch Wenn ein Spielfilm bezüglich Sujet, Figurenkonstellation, Narrationsmuster oder Visualität starke Assoziationen mit präexistenten Filmwerken hervorruft, muß das nicht immer eine schlechte Sache sein. Zum einen werden schon durch das jeweilige Genre unvermeidliche Querverbindungen und Vergleichsspielräume eröffnet, die ja gerade den Reiz eines genrebezogenen »Film-Zuschauer-Paktes« ausmachen.

Zum anderen ermöglicht die Inkorporation von Zitaten, Allusionen und Referenzen in den filmischen Text eine Form der (Selbst-)Reflexivität, die der Story eine weitere Sinnebene eröffnen kann. Solche Einbettungen können zum Beispiel als subtile Kommentarebene zu plotinhärenten Entwicklungen oder als gezielt gesetzte Zu- bzw. Abwendung von thematisch gleichausgerichteten Vorläufern eingesetzt werden. Auch, wenn ein solch struktureller oder semantischer Rückbezug ein entscheidendes Attribut der Sinnfreiheit postmodernen »Oberflächen-Kinos« ausmacht, kann der wie auch immer geartete Rekurs auf das filmgeschichtliche Vorwissen des Zuschauers den Kinogenuß alleine schon durch das individuelle »Ich hab' das Zitat oder die Anspielung erkannt«-Erlebnis ungemein erhöhen.

Und dann gibt es solche Filme wie So was wie Liebe, die einen zwingen, sich zunächst in einen etwas generellen Exkurs über Genre- und Zitatekino zu verlieren, um sich nicht zu sehr in ausschweifenden Auslassungen über seine Bedeutungslosigkeit zu verlieren.

Was Regisseur Nigel Cole, der bisher mit kleinen, aber feinen Filmen wie Saving Grace (2000) oder Calendar Girls (2003) durchaus glänzen konnte, da auf die Leinwand zaubert, ist mit dem Attribut »uninspiriert« noch mehr als wohlwollend umschrieben.

Der tapsige College-Student Oliver hat in einer Flugzeugtoilette ein spontanes »Stelldichein« mit der flippigen Punkbraut Emily. Später treffen sie sich zufällig wieder und schwadronieren über ihre Zukunftspläne, wobei er sich als der konservative und sie als der spontan-chaotische Part in Sachen Lebensplanung outet. Trotz eines spürbaren Knisterns gehen die beiden Twens ihrer Wege, um sich in den nächsten sieben Jahren zufällig oder nicht so ganz zufällig (aus Beziehungsnotstand!) immer wieder zu treffen und auseinanderzugehen. Sie werden älter und erfahrener, doch wirklich glücklich sind sie nicht. Dann, als Emily kurz vor ihrer Hochzeit steht, merkt sie, daß sie und Oliver füreinander geschaffen sind. Nach einem kurzen, dramaturgisch an Innovationskraft kaum zu überbietenden »Schreckmoment« winkt das glückliche Happy End, denn: Wahre Liebe überdauert Zeit und Raum.

Das Drehbuch begnügt sich nicht damit, die Erzählstruktur dreist bei Rob Reiners Genreklassiker When Harry Met Sally (1989) abzukupfern, sondern verwurstet gar manch denkwürdige Szene daraus (u.a. die »falscher Orgasmus«-Szene im Restaurant, die Neujahrsfeier, die Dialoge zwischen den Protagonisten und ihren Freunden) in einer von den Machern dieses Werkes wohl als zielgruppenorientiert verstandenen Weise, die im direkten Vergleich nur als infantil bezeichnet werden kann. Und auch die Dialogebene des Films kann nur selten mit Witz und Esprit glänzen.

Da sich Cole in So was wie Liebe nicht vor noch so abgetretenen Standards aus dem Liebeskomödienarsenal fürchtet, geriert sogar eine schief vorgetragene Bon-Jovi-Schnulze zu einem innovativen romantischen Highlight. Darüber hinaus sind Ashton Kutcher und Amanda Peet zwar nett anzusehen und um eine sympathische und realistische Figurendarstellung bemüht, können jedoch der einzigartigen Dynamik zwischen Billy Crystal und Meg Ryan nicht das Wasser reichen. Trotzdem ist Regisseur Cole bemüht, an den Charme des übermächtigen Vorläufers, der sich immerzu während seines Films penetrant ins Gedächtnis drängt, heranzureichen und scheitert kläglich. Trotz schöner Bilder, schöner Hauptdarsteller und schönem Happy End kommt letztendlich nicht mehr als eine weitere uninspirierte Liebeskomödie heraus. Von dem unangenehmen bitteren Nachgeschmack, den die ständigen Déjà vu-Erlebnisse und primär ziellosen Querverweise auf genretypische Vorläufer hinterlassen, ganz zu schweigen. 1970-01-01 01:00
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