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Snatch – Schweine und Diamanten

Snatch. GB 2000. R,B: Guy Ritchie. K: Tim Maurice-Jones. S: Jon Harris. M: John Murphy. P: SKA Films. D: Benicio Del Toro, Dennis Farina, Vinnie Jones, Brad Pitt, Rade Serbedzija, Jason Statham, Alan Ford, Robbie Gee u.a.
103 Min. Columbia ab 22.3.01

Vier, drei, zwei, SchwEIN

Von Frank Brenner Wer Guy Ritchie bislang nur als Vater von Madonnas Sohn Rocco und seit Weihnachten 2000 als ihr rechtmäßig angetrauter Ehemann kannte, muß sich nun endlich eines besseren belehren lassen. Der Mann ist nämlich eigentlich Regisseur und hat 1998 den Überraschungshit Bube, Dame, König, GrAs landen können. All diese positiven Umstände haben es ihm ermöglicht, Snatch in die Kinos zu bringen, der neben vielen skurrilen und aus zahlreichen interessanten Nebenrollen bekannten britischen Darstellern eben auch Brad Pitt auf der Besetzungsliste vorweisen kann.

Der Film indes ist genauso schräg wie Ritchies Vorgängererfolg, hat eine schier endlose Anzahl an Handlungssträngen und Figuren vorzuweisen, die sich gegenseitig in die Quere kommen und eine einigermaßen sinnvolle und knappe Zusammenfassung des Inhalts schlichtweg unmöglich machen. Nur soviel: Es geht um die Jagd nach einem ziemlich großen Diamanten, der Gangster der unterschiedlichsten Couleur wahlweise aneinanderschweißt oder zu Todfeinden macht.

Das Halbweltmilieu als Schauplatz für viele kleine Geschichten, die doch alle miteinander zusammenhängen – das erinnert schon ein wenig an Pulp Fiction. Doch Ritchies Film braucht sich hinter dem modernen Klassiker keineswegs zu verstecken. Teilweise ist die Erzählhaltung zwar eine ganz ähnliche, Alan Ford erinnert mitunter an Harvey Keitel und ist auch dafür zuständig, daß die Sauerei (menschliche Leichen) beseitigt wird (was mit Hilfe der titelgebenden Schweine geschehen soll). Insgesamt bleibt Snatch aber durch und durch ein britischer Film, der einen sehr eigenwilligen trockenen Humor entwickelt. Dafür nutzt Guy Ritchie sämtliche Möglichkeiten des Films.

Selten zuvor hat man den Einsatz des Bildschnitts auf dermaßen komische Weise zu Gesicht bekommen. Wo andere Filme sich des Schnitts als bloße Produktionsnotwendigkeit bedienen, schlägt Cutter Jon Harris noch einige gelungene Gags heraus. Auch die Kameraführung und der Gebrauch der Bilder ist hier einigermaßen ungewöhnlich. Bereits die Eröffnungssequenz hat es in sich. Eine Gangstergruppe schleicht sich als Rabbis verkleidet bei einem jüdischen Diamantenhändler ein, dessen Büro einem Hochsicherheitsgefängnis gleicht. Der Zuschauer verfolgt das Vordringen der Diebe über die diversen Überwachungsmonitore, die hintereinander positioniert sind und nacheinander betrachtet die Schnittabfolge eines herkömmlichen Hollywoodfilms zitieren und parodieren.

Das Darstellerensemble besteht aus den merkwürdigsten Typen, die weder von ihrem Aussehen noch Verhalten her irgend etwas Glamouröses oder Staradäquates an sich haben. Brad Pitt reiht sich vollkommen darin ein. Seit Fight Club wissen wir, daß der schöne Mann durchaus Mut zur Häßlichkeit beweisen kann und auf Boxkämpfe steht. Beidem darf er hier wieder frönen. Aber wenn er als Gypsie in einem nuschelnden Slang kommuniziert, den keiner versteht, ist er vollkommen zum Charakterdarsteller geworden, der den simplen Hollywoodstarstatus längst hinter sich gelassen hat.

So ist Guy Ritchie mit Snatch – Schweine und Diamanten ein Film gelungen, der in der Tradition großer britischer Komödienerfolge steht und sich dennoch auf der Höhe der Zeit befindet. Als kleine Hommage an die Dame seines Herzens darf dazu »Lucky Star« als Hintergrundmusik laufen… 1970-01-01 01:00
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