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Sleepy Hollow

USA 1999. R: Tim Burton. B: Andrew Kevin Walker. K: Emmanuel Lubezki. S: Chris Lebenzon. M: Danny Elfman. D: Johnny Depp, Christina Ricci, Miranda Richardson, Jeffrey Jones, Christopher Walken, Christopher Lee, Casper van Dien, Michael Gough, Martin Landau u.a.
110 Min. Constantin ab 24.2.00

Romantischer Gothik-Horror

Von Oliver Baumgarten In markerschütterndem Gallop des schnaubenden Pferdes fliegt ein finsterer Reiter heran. Blitz und Donner sind seine Gefährten, düster das Schwingen der blitzenden Schwertklinge. Gelähmten Grauens sieht ein Mann den kopflosen Krieger auf sich zu donnern. Die Klinge hebt sich, und mit einem klirrenden Streich drängt sie sich behende zwischen Kinn und Brust – der Kopf fliegt, der Körper fällt, der Kopflose Reiter von Sleepy Hollow kriegt sie alle.

Tim Burton, Meister des abstrusen Schauers und Freund aberwitziger Figuren, treibt es in seinem neuen Film in das Jahr 1799. Nach Washington Irvings Erzählung »Die Legende von Sleepy Hollow« zeichnet Burton zusammen mit Sieben-Autor Andrew Kevin Walker die schaurigen Ereignisse in dem kleinen amerikanischen Dorf nach. Dort, wo nackte Angst die Runde macht, Angst vor dem Kopflosen Reiter, der zu Lebzeiten ein aus Deutschland eingekaufter Söldner gewesen sein soll, dessen Blutrünstigkeit keine Grenzen fand. Als man ihn zur Strecke gebracht hatte, wurde er enthauptet und im Wald verscharrt. Doch nun, 1799, kehrt er aus der Hölle zurück und setzt sein blutiges Werk fort.

Waschweibergeschwätz, denkt sich Ichabod Crane, ein New Yorker Ermittler, dessen moderne wissenschaftliche Methoden selbst in der Hauptstadt eher mißmütig beäugt werden. Man schickt ihn nach Sleepy Hollow, wo er den Ammenmärchen um die grausamen Morde ein Garaus machen will. Auch wenn er schon bald glaubt, nur allzu weltliche Spuren um die Morde gefunden zu haben, so muß der Realist eines Nachts der grausigen Wahrheit ins abgeschlagene Antlitz blicken: Crane sieht mit an, wie sich der Kopflose Reiter eine weitere Trophäe holt. Trotz einiger folgender Ohnmachten faßt er sich ein Herz und macht sich auf den Weg, das Grab des Hessischen Söldners im diesigen, finsteren Wald zu suchen.

Tim Burton gelingt es in atemberaubender Manier und bombastischen Bildern, verschiedene Horrorfilmstile zu einem Gesamtwerk zusammenzufassen. Neben klassischen Schreck- und Ekelmomenten vereint Sleepy Hollow in erster Linie die Romantik eines Francis Ford Coppola mit nebligem Gothic-Horror der Hammer-Ära. Jenem legendären englischen Filmstudio zollt Burton neben optischen Elementen aber auch durch die Besetzung des berühmtesten Dracula-Darstellers Christopher Lee und Michael Gough liebevoll Tribut.

Nach Edward Scissorhands und Ed Wood überzeugt Johnny Depp unter der Regie Burtons erneut mit einer superben Darsteller-Leistung. Aber auch dank der perfekten Tricktechnik und Tim Burtons unvergleichbarer Ironie, die den gesamten Film durchzieht, gelingt ihm einer der spektakulärsten Filme der letzten Jahre. Wo andere nur grimmig mit den Augen rollen, da purzeln bei Burton gleich die ganzen Köpfe. 1970-01-01 01:00

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