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Sky Captain and the World of Tomorrow

USA 2004. R,B: Kerry Conran. K: Eric Adkins. S: Sabrina Plisco. M: Edward Shearmur. P: Paramount Pictures, Brooklyn Films, Natural Nylon Entertainment, Blue Flower Productions, Filmauro. D: Gwyneth Paltrow, Jude Law, Angelina Jolie, Giovanni Ribisi, Laurence Olivier, Michael Gambon, Bai Ling, Omid Djalili u.a.
107 Min. UIP ab 18.11.04

Extraordinary Fantasy

Von Frank Brenner Er kommt aus Flint, Michigan, und hat seit geraumer Zeit eine Vision – eine Vision von einem völlig neuartigen Film, der die Filmgeschichte revolutionieren wird. Die Rede ist von Kerry Conran, der 1994 in seiner Garage vor einer Bluescreen-Wand mit den »Dreharbeiten« zu einem Fantasy-Epos begann. Vier Jahre später war der sechsminütige Film fertig, und als ihn einige einflußreiche Leute zu Gesicht bekommen hatten, war Conrans Weg in die großen Hollywood-Studios geebnet. Seine Idee hat er nun in den vergangenen sechs Jahren zu einem abendfüllenden Spielfilm ausgebaut und damit wohl zumindest in einer Hinsicht Filmgeschichte geschrieben: Sky Captain and the World of Tomorrow ist der erste Film überhaupt, der komplett vor einer Bluescreen-Wand gefilmt wurde und bei dem sämtliche Hintergründe digital einkopiert wurden.

Wir befinden uns im New York der späten 30er Jahre. Einige bedeutende Wissenschaftler sind auf mysteriöse Weise verschwunden. Die Reporterin Polly Perkins recherchiert in der Sache, als eine Armada fliegender Riesenroboter über der Stadt kreist, schließlich landet und alles in Schutt und Asche legt, während sie sich auf die New Yorker Generatoren zubewegt. Als Retter in der Not erweist sich der erfahrene Kampfflieger »Sky Captain« Joe Sullivan, der sich danach unfeiwillig zusammen mit seiner einstigen Flamme Polly auf die Suche nach den verschwundenen Wissenschaftlern und nach dem Ursprung der bedrohlichen Roboter macht.

Kerry Conrans Vision hat auf gigantomanische Weise auf der Leinwand Gestalt angenommen. Mit einer seinesgleichen suchenden Präzision hat er die Atmosphäre der ausgehenden 30er Jahre wieder eingefangen, hat mit seinem ausschließlich in Sepiatönen aufgenommenen Film ein Kunstwerk geschaffen, wie man es bislang in der Tat noch nicht gesehen hat – und wie es künstlicher kaum sein könnte. Es mag ein redlicher Versuch sein, einen ganzen Film – mit Ausnahme der (meisten) Schauspieler – digital zu entwerfen, doch ähnlich wie im Jahr 2000 bei Final Fantasy kann das Ergebnis natürlich kaum so gut ausfallen, daß man uneingeschränkt zufrieden sein kann. So perfekt sind die Zauberer am Computer eben noch nicht, daß es nicht auffallen würde, daß es sich bei dem Oldtimer, der um die Ecke biegt und vor der Radio City Music Hall zum Stehen kommt, um eine Pixelkreation handelt.

Auch wenn ein computeranimierter Jude Law aus einem computeranimierten Flugzeug klettert, kann man dies durchaus als Computeranimation erkennen. Bei Gegenständen, die der Fantasie des Drehbuchautoren und Regisseurs entsprungen sind und die man nicht aus dem Alltag kennt, wie z.B. die fliegenden Roboter oder einige Jurassic-Park-Dinosaurier, wirken die Tricks dann auch weniger unecht und gekünstelt. Und genau hier beginnt Conran zu klotzen anstatt zu kleckern. Wie schon Stephen Norrington mit Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen bezieht er einen Reiz aus dem Anachronismus zwischen historisch mehr oder weniger korrektem Zeitgemälde und den technisch hochkomplizierten und deplaziert wirkenden Megamaschinerien. Conran begeht leider auch den gleichen Fehler wie Norrington, denn mit dem Special-Effects-Overkill wird sein Film auf die Dauer ermüdend und langweilig. Für die Besetzung der Rolle des Schurken hat er zudem die Unverfrorenheit besessen, den größten Schauspieler des 20. Jahrhunderts, den 1989 verstorbenen Lord Laurence Olivier, digital wiederzuerwecken – als Dr. Totenkopf hat Olivier fünfzehn Jahre nach seinem Tod dadurch nun das zweifelhafte Vergnügen, seiner Filmografie einen weiteren Auftritt hinzufügen zu dürfen. Die Filmwelt von Morgen kann und darf jedenfalls unter keinen Umständen in herzlosen Geldmaschinerien wie Sky Captain and the World of Tomorrow liegen! 1970-01-01 01:00
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