Brenner ermittelt
Von Frank Brenner
Typen wie ihn kennt man bereits aus etablierten Krimiserien, die erfolgreich gegen den Strich gebürstet waren und deswegen seit ihrem Aufkommen in den 80er Jahren schnell Kultstatus erlangten. Die Rede ist von solch unkonventionellen Ermittlern wie Schimanski und Kottan, denen es spielend gelang, eingefahrene Krimistereotypen zu umschiffen und frischen Wind in die Fernsehlandschaft zu bringen. Brenner, der Held von Wolf Haas' Bestseller-Krimireihe, steht ganz in der Tradition jener Antihelden, die trotz ihres ruppigen Umgangs oder ihrer abstrusen Macken ein Herz aus Gold haben und der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen wollen. Freunde dieser ungewöhnlichen österreichischen Kriminalromane werden im Jahr 2000 bereits mit Freuden die erste Brenner-Verfilmung Komm süßer Tod im Kino genossen haben. Nun hat das bewährte Team um Regisseur Wolfgang Murnberger und den kongenial besetzten Josef Hader seinen zweiten filmischen Auftritt vorgelegt.
Kurz nachdem der Schwiegersohn des Salzburger Festspielpräsidenten publik gemacht hatte, daß er in seiner Jugend im Marianum vom jetzigen Bischof sexuell belästigt wurde, wird er tot am Fuße des bei Selbstmördern beliebten Mönchsbergs aufgefunden. Privatdetektiv Brenner geht den Zweifeln seiner Witwe nach und entdeckt schnell eine ganze Reihe zwielichtiger Figuren im Kloster- und Festspielmilieu der Mozart-Stadt. Brenner und sein alter Freund Berti geraten deswegen bei ihren gemeinsamen Ermittlungen schnell ins Fadenkreuz der Bonzen mit den dunklen Geheimnissen.
Wolf Haas ist für seinen bitteren und gnadenlosen Witz bekannt, der ihn vor keiner Respektlosigkeit zurückschrecken läßt und mit dem er auch noch die heiligsten Kühe in ihrer Unberührbarkeit vor den Kopf stößt. Vom organisierten Mädchenhandel bis hin zu den bizarren Sexualpraktiken der Salzburger Schickeria wird stets Klartext gesprochen, der den religiösen und kulturellen Institutionen mitunter schwer im Magen liegen wird, der in seiner frechen Direktheit beim für schwarzen Humor empfänglichen Publikum aber erfolgreich für ein Dauerschmunzeln und teils heftige Lacher sorgen wird.
Nicht nur Josef Hader, der die Rolle des gebeutelten Ermittlers einmal mehr mit Hingabe spielt, ist in Silentium grandios besetzt. Auch Joachim Król, dessen etwas in Routine gefangenen Darstellungen der letzten Zeit zu langweilen begannen, kann hier wieder glaubwürdig Akzente setzen. In kurzen Gastauftritten ist neben dem österreichischen Urgestein Herbert Fux auch Christoph Schlingensief zu bewundern, der mit vortrefflicher Selbstironie den Regisseur der Salzburger Festspiele gibt.
1970-01-01 01:00