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Silent Waters

Khamosh Pani. Pak/D/F 2003. R,B: Sabiha Sumar. B: Paromita Vohra. K: Ralph Netzer. S: Bettina Böhler. M: Arshad Mahmud. P: Vidhi Films, Unlimited, Les Films de l'Observatoire. D: Kiron Kher, Aarmir Malik, Dipti Naval u.a.
academy films ab 2.9.04

Gerechte Bilder

Von Thomas Warnecke Der Filmwissenschaftler David Bordwell hat in einem Vortrag von einer Kollegin erzählt, die rekordverdächtig lange Einstellungen (wie zu Beginn von Touch of Evil oder The Player) als »macho shot« bezeichnet habe. Silent Waters ist von einer Frau inszeniert und von einer weiteren geschnitten und bestätigt die Aussage jener Bordwell-Kollegin quasi ex negativo: mehr oder weniger gleichlange bzw. -kurze Einstellungen, die einander in gleichmäßigem Rhythmus ablösen; Silent Waters kommt ohne Artistik aus. Dem entspricht die dem Film zugrundeliegende Auffassung von Geschichte: kein großes Tableau à la Gandhi, sondern eine intime Nahaufnahme in gedämpfter Lautstärke.

Der Film spielt bis auf einen kurzen Epilog im Jahre 1979, als Pakistan zu einem islamistischen Staat wird. Gleichzeitig deckt er nach und nach ein weiter zurückliegendes, schier unfaßbar atavistisch anmutendes Geschehen auf, dessen Wunden in der fanatisch aufgeladenen Gegenwart wieder aufbrechen.

Silent Waters führt vor, daß gutgemachtes Kino klüger ist als der kritische Zugriff, der es sich schnell zu leicht macht, weil er die Machart als konventionell brandmarkt, die Geschichte für konstruiert hält, den Titel zu Recht blöd findet und den Film deshalb gleich mit, die sonnendurchleuchtete Idylle und Farbenpracht der Bilder unangemessen findet und einen empörten Aufschrei fordert, wo der Film es bei einem tiefen Seufzer beläßt, oder der statt alledem jegliche Form von Engagement oder Aussage für unreines Kino hält. Natürlich, die Festival-Preise belegen es, läuft der Film Gefahr, zum Konsens-Erfolg unter Wohlmeinenden zu werden. Dabei liegt die Leistung doch genau darin, daß Sabiha Sumar ihren Film dem Gewaltkreislauf von Konflikt und Kampf entzieht; Stellung beziehen die Bilder wie von selbst, denn wenn etwas gerecht ist auf dieser Welt, dann das Kino. Ein kleines dramatisches Gedicht. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #33.
© 2012, Schnitt Online

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