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Silent Hill – Willkommen in der Hölle

Silent Hill. CDN/F 2006. R: Christophe Gans. B: Roger Avary. K: Dan Laustsen. S: Sebastien Prangere. M: Jeff Danna. P: TriStar Pictures, Davis Films. D: Radha Mitchell, Sean Bean, Laurie Holden, Alice Krige u.a.
125 Min. Sony ab 11.5.05

Bad Witch Project

Von Mary Keiser Rose DaSilva ist auf der Suche nach ihrer kleinen Tochter und stapft unter stetig leise rieselndem Ascheregen durch die unheimliche Geisterstadt Silent Hill, wo der wabernde Dunst sämtliches Geräusch verschluckt. Der Nebel verschleiert die Welt um sie herum, es ist nicht auszumachen, aus welcher Richtung die nächste Bedrohung auftaucht. Tatsächlich kommt die größte Gefahr von unerwarteter Seite; es stellt sich heraus, daß die mannigfaltigen Kreaturen der Unterwelt, die ihren Weg kreuzen, leicht noch an Bösartigkeit übertroffen werden können. Religiöse Fanatiker unter der Führung von Christabella, gespielt von Alice Krige, der ebenso größenwahnsinnigen Borg-Queen aus Star Trek – First Contact, haben in Silent Hill das Tor zur Hölle aufgestoßen.

Regisseur Christophe Gans übernimmt die beklemmende Atmosphäre und die Gruselstory der Spielvorlage, mischt dazu klassische Actionelemente und knetet schließlich in den übersättigten Genrebrei noch eine ordentliche Portion philosophischen Tiefgang. Durchdrungen vom Geist der Französischen Revolution läßt er wie schon in Le pacte des loups Aufklärung gegen Mittelalter antreten. Rose muß sich puritanischen Paranoikern entgegenstellen, deren Höllenspektakel die Hexenprozesse von Salem blaß aussehen lassen, ergo: Der (unaufgeklärte) Mensch ist das eigentliche Monster.

Faszinierend ist dabei, wie der typisch amerikanische Horrorfilmplot, in dessen Mittelpunkt meist in variierender Form der Bruch der Kernfamilie steht, politisch progressiv umgedeutet wird. Die moderne, emanzipierte junge Mutter begibt sich mit ihrer adoptierten Tochter Sharon ohne die Zustimmung des Vaters an einen gefährlichen Ort, wo sie einzig und allein Hilfe von der Polizistin Cybil, einer Kampflesbe par excellence, bekommt, welche sich schließlich heldinnenhaft opfert und als Hexe verbrannt wird. Noch Fragen? Wem das noch zu subtil ist, dem wird geholfen, indem das Durchbrechen der bürgerlichen Ordnung durch die endgültige Trennung der Eltern plastisch dargestellt wird: Rose ist von dem Moment an, als sie in Silent Hill ankommt, in der Zwischenwelt der Reaktionäre gefangen, während ihr Mann in der realen Welt nach ihr sucht.

Gemäß den Gesetzen des Genres schürft Silent Hill nicht zu tief, um den Zuschauer nicht beim Gruseln zu stören. Dafür war der Griff in die Ekelkiste um so tiefer; neben dem fast völlig verbrannten, abscheulichen Evil Child, das sich an seinen Peinigern rächt, wimmelt es in der gigeresken Alptraumwelt nur so von toten menschlichen Körpern, die aussehen, als hätte sie ein Luftballonkünstler vom Jahrmarkt verknotet und anschließend gehäutet; unfreiwillig komisch wirkt dagegen die Musical-Choreographie der Zombiekrankenschwestern.

Zu schade, daß der an sich wichtige Verweis auf religiösen Fanatismus (auch) in den USA in dem gewagten Cocktail aus Videospieldramaturgie, üblichem Actiongehabe, Horroreffekten und philosophischen Ansätzen nach dem Motto »besser zuviel als zuwenig« untergehen muß. 1970-01-01 01:00
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