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Siegfried

D 2005. R: Sven Unterwald. B: Tom Gerhardt, Herman Weigel. K: Peter von Haller. S: Norbert Herzner. M: Karim Sebastian Elias. P: Constantin, B.A. Film. D: Tom Gerhardt, Dorkas Kiefer, Volker Büdts, Axel Neumann, Jan Sosniok u.a.
89 Min. Constantin ab 28.7.05

Lustig ist anders

Von Oliver Baumgarten Wenn die Welt auf der Leinwand nur aus Doofen und Bekloppten besteht, ist dann der Zuschauer automatisch als intelligent einzustufen, weil er die Doofen und Bekloppten als doof und bekloppt begreift? Sind Deppenfernsehen und Fäkalkino die letzte Instanz, um das angekratzte Selbstbewußtsein der Nation wenigstens dadurch aufzumöbeln, daß der Durchschnitt plötzlich die fiktionalen Helden zu überragen versteht? Was bloß will Tom Gerhardt uns damit sagen, daß er den urdeutschen Sagenhelden Siegfried in dieser aus Ballermann 6 und Hausmeister Krause altbekannten Proll-Imitation gibt? Schlimmstensfalls gar nichts.

Schon nach drei Minuten wird eine Figur schwallartig angekotzt, nur wenige Zeit später, als der debile Siegfried einem Schwein auf die Hinterbacken küßt (fragen Sie nicht), pfurzt es ihm orkangleich ins Gesicht, und erst als Siegfried die gleiche Nummer bei Kriemhild durchzieht, trifft er endlich mitten ins Schwarze – lustig ist anders. Und zwar deshalb, weil dem Film jegliche andere Ebene abgeht, weil er in seiner Struktur als Nummernrevue rein gar nichts zu erzählen hat und sämtliche Schauspieler als Karikaturen ihrer selbst offensichtlich ihre Kinodrehtage mit TV-Serienaufnahmen verwechselt haben.

Auch wenn uns das Fernsehen hartnäckig vom Gegenteil überzeugen will: Komödie ist und bleibt immer noch mehr als sich zu verkleiden, abseitige Dialekte zu sprechen, während man Gesicht und Augen verzerrt, und Körperausscheidungen zu filmen. Abgesehen davon, daß alle Figuren im rheinischen Singsang ihre Texte aufsagen, hat der Film mit den »Nibelungen« so viel zu tun wie Tom Gerhardt mit John Cleese. Daß hier keine Subtilitäten zu erwarten waren, konnte man sich denken. Von diesem Stoff aber wurden derart gründlich alle Ecken, Kanten und Vertiefungen abgeschliffen, daß der Film umgehend als Brett dienen mag, um es der Zielgruppe nachhaltig vor die taube Rübe zu nageln.

Siegfried könnte das Kino sein, das sich Marktforscher wahrscheinlich erträumen. »Uargh«, um es mit Tom Gerhardt zu sagen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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