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Sieben Monde

D 1997. R: Peter Fratzscher. B: Nils-Morten Osburg. K: Thomas Merker. S: Barbara Gies. M: Ali N. Askin. D: Jan Josef Liefers, Ulrich Mühe, Marie Bäumer, Christoph Waltz, Peter Lohmeyer, Burkhard Driest u.a.
95 Min. Buena Vista ab 9.4.98
Von Oliver Baumgarten Na bitte: wieder mal ein deutscher Genrefilm! Hat ihn der (private) Fernsehfilm schon längst zu etablieren versucht, nahm er in Erfolgen von Knockin' on Heaven's Door oder auch 14 Tage lebenslänglich im Kino wieder Gestalt an, so findet er in Sieben Monde dort nun seine Fortsetzung. Ohne die inszenatorische Verspieltheit Thomas Jahns oder die erzählerische und konzeptionelle Konsequenz Roland Suso Richters überzeugt Peter Fratzschers Serienkiller-Thriller doch zumindest durch seine clevere Dramaturgie und den technisch hohen Standard.

In Sieben Monde zeichnet sich der Serienkiller durch ein hohes Maß an Brutalität aus, die die Opfer erleiden. Immer in der Vollmondnacht schlägt er zu und läßt zunächst kein Muster erkennen – bis Rationalist Kommissar Graf (schön angenervt: Peter Lohmeyer) auf eine Lösung stößt und Spiritist Kommissar Becker auf eine andere. Und (danke!) hier rückt Autor Osburg endlich die hysterisch-übersinnliche Millenium-Welt wieder gerade: Ermittler Graf triumphiert über Becker, die dezent, aber von Christoph Waltz treffend karikierte Ausgabe des Millenium-Schlaumeiers Frank Black.

Der eigentliche Gag der Geschichte liegt aber im Nebenplot, in dem sich der von Jan Josef Liefers gespielte Krömer plötzlich mitten im Mordgeschehen wiederfindet und sich durch kleinere Vorfälle und wichtigtuerische Ereiferer zu dem Glauben hinreißen läßt, er selbst beginge diese Morde im vollmondigen Rausch eines Werwolfs. Dieser dramaturgische Kniff, der sich keineswegs veralbert, sondern den genreüblichen Hang zu mythologischer Verklärung ad absurdum führt, endet schließlich in einer pfiffigen, märchenhaft-deutschen Auflösung…

Auch wenn Sieben Monde hier und da Mut zur Story-Lücke zeigt, so macht er dennoch ungewöhnlich schaurigen Spaß. Und dies beruht – neben der geschickten Dramaturgie und dem erstaunlich guten Sound, Licht und »allstar-cast« (speziell: Marie »ein Traum« Bäumer) – auf der Tatsache, daß er sich nicht so elendig, furchtbar, schrecklich ernst nimmt. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #10.
© 2012, Schnitt Online

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