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Sie sind ein schöner Mann

Je vous trouve très beau. F 2006. R,B: Isabelle Mergault. K: Laurent Fleutot. S: Colette Beltran, Marie-Josèphe Yoyotte. M: Bob Lenox, Alain Wisniak. P: Gaumont. D: Michel Blanc, Medeea Marinescu, Wladimir Yordanoff, Laurent Fleutot u.a.
97 Min. Movienet ab 8.2.07

Landeiliebe

Von Tamara Danicic Aymé ist ein herzloser Miesepeter. Als seine Frau durch einen Stromschlag stirbt, verschwendet der Bauer keine wertvolle Zeit mit Trauern. Er braucht dringend eine weibliche Ersatzkraft für die Arbeit im Haus und auf dem Hof. Das scheint in einem Land wie Frankreich, in dem sich das Konzept »Liebesheirat« flächendeckend durchgesetzt hat, indes nicht einfach zu sein. Wie gut, daß es noch Länder wie Rumänien gibt, wo Frauen mit aller Macht der Armut entkommen wollen. So holt Aymé sich also die junge Rumänin Elena auf seinen Hof. Die wirbelt das Leben des Griesgrams gehörig durcheinander und lehrt ihn, das Leben und die Liebe zu lieben. Eben das, was man von einer romantischen Komödie erwartet.

In einer Zeit, wo der Agrarsektor nur noch als subventionsgefütterte Schwundform vergangener Gesellschaftsformen existiert, wird das Land immer mehr zur Projektionsfläche. Ob in der RTL-Anbandel-Dokusoap Bauer sucht Frau oder in »Überraschungserfolgen« (wie solche Filme gemeinhin verkauft werden) à la Eine Schwalbe macht den Sommer und Sie sind ein schöner Mann: Landidylle und die Einsamkeit des sich aufreibenden Bauern gehen hier eine publikumswirksame Mesalliance ein. So kommen Traktoren, Melkmaschinen und Heuhaufen vor allem als schmückendes Dekor vor, während die Entbehrungen des Landlebens auf die Schwierigkeit reduziert werden, willige Partnerinnen zu finden. Frauen, die dem Bauern nicht nur etwas Romantik schenken, sondern auch mitanpacken wollen und können.

Nichts gegen liebevoll erzählte französische Komödien, in denen sich gekaufte Frauen aus dem wirtschaftlich zurückgeblieben Osten von der Großherzigkeit (wesentlich älterer) ungehobelter Landeier bestricken lassen – zumal wenn sie von Michel Blanc gespielt werden. Doch so charmant und angenehm unprätentiös die Schauspielerin Isabelle Mergault in ihrem Regiedebüt anfängt, so schnell erliegt sie den Versuchungen des romantisch geigenden Wohlfühlkinos und lässt so allen Witz und Feinsinn unter die Räder großer Gefühle kommen. Tant pis. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #45.
© 2012, Schnitt Online

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