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Siam Sunset

GB/AUS 1999. R: John Polson. K: Brian J. Brenehy. S: Nicholas Beauman. M: Paul Grabowsky . P: Artist Service. D: Linus Roache, Danielle Cormack, Ian Bliss, Roy Billing, Aln Brough, Rebecca Hobbs u.a.
92 Min. AFM ab 23.3.00

Rausch der Farbe

Von Sophia Dauber Das Böse ist immer und überall, das ist zwar eine altbekannte Weisheit, doch warum es sich ausgerechnet den ach so netten Farbchemiker Perry als Zielscheibe ausgeguckt hat, das weiß der Kosmos! Es sucht ihn jedenfalls auf so einfallsreiche Art und Weise heim, daß es ein wahres Vergnügen ist, dabei zuzuschauen, wie Perry mit den Widrigkeiten des Schicksals fertig wird.

Alles beginnt damit, daß er seine Frau quasi aus heiterem Himmel verliert (mehr sei absichtlich nicht verraten…). Fortan fallen in seiner Gegenwart Menschen die Treppe herunter, ereignen sich seltsame Autounfälle und klatschen orientierungslose Vögel mit voller Wucht vor seine Fensterscheibe! Da Perry glaubt, er könne nur dann wieder Frieden finden, wenn es ihm gelänge, jene leuchtende Farbkomposition zu erstellen, die er in seiner Vorstellung Siam Sunset getauft hat, tritt er eine beim Bingo gewonnene Australienreise an – hatte ihn auf dem Prospekt doch eine Farbe angefunkelt, die dieser verdächtig nahekommt.

Der Trip, der ihn jedoch erwartet, ist seit der schwulen Bustour in Priscilla – Queen of the Desert so ziemlich das Skurrilste, was ich im australischen Film gesehen habe. Der Bus eine Rostlaube, der Fahrer ein freundlicher Despot, die Mitreisenden ein chaotischer Haufen besonders lustiger Originale! Und das Pech klebt ihm an den Händen, wie bald schon die schöne Anhalterin Grace, die versucht ihrem zur Brutalität neigenden Ex-Lover zu entkommen, den sie zuvor um seine Barschaft erleichtert hat.

Unberechenbare Stürme, unvorhergesehene Erdbeben, ein rachsüchtiger Ex-Freund – für Perry fast schon integraler Bestandteil seiner Tagesordnung. Doch wie schon bei Keanu Reeves in Matrix gibt es auch für Perry – ganz philosophisch – genau dann eine (Überlebens-)Chance, als er nicht mehr mit dem Schicksal hadert, seine Ängste über Bord wirft und natürlich eine Frau im Spiel ist! Dann nämlich meint das Universum es so richtig gut mit ihm und mixt höchst wetterwendisch die gesucht beruhigende Farbkreation in Orangetönen, verweist lästige Liebhaber auf die Plätze, schenkt endlich ein befreiendes Lachen und schlußendlich sogar ein höchst unerwartet neues Zuhause!

Wer schon lange nicht mehr in Urlaub war, der sollte sich Siam Sunset auf alle Fälle anschauen, denn die weiten Landschaftsaufnahmen des australischen Outbacks sorgen schon allein für good vibrations. Wer es allerdings in absehbarer Zeit auch nicht vorhat, dem sei der Film ebenfalls ans Herz gelegt, denn schließlich könnte man ja einen ähnlichen Horrortrip erleben wie der gute Perry und Schadenfreude ist ja nun mal bekanntlich die beste Freude…

Mit Linus Roache in Hauptrolle ist der Film geradezu ideal besetzt, denn seinem ganz und gar un-Priest-erlichen Spiel (oder war es doch eher sein Lächeln?) ist es zu verdanken, daß der narrative Grad zwischen Hohn und Mitgefühl über die gesamte Länge des Films hinweg so ausbalanciert bleibt, daß es ein fast reines Vergnügen ist. Inmitten der mitreisenden lärmenden Familien, dem verkrachten Singer-Songwritertalent und rüstigen älteren Damen wirkt er so rührend deplaziert, daß man ihm wahrlich wünscht, er möge es schaffen, den einst geschauten und so dringend ersehnten siamesischen Sonnenuntergang zu reproduzieren. Mit Danielle McCormack ist ihm ein ebenso hübscher wie energischer Gegenpart an die Seite gestellt, der über die reine Kolorierung der Seelenlandschaft für einen weiteren Zugewinn an Lebensfreude sorgt.

Drumherum schließlich gruppiert sich ein so hinreißendes Ensemble, wie ein spottendes Universum es sich hätte auch nicht besser ausdenken können – allen voran der stets brummelnde Busfahrer, Perrys Zeltkumpel Stuart mit seinen ›einfallsreichen‹ Folkballaden und Graces rachsüchtiger Ex-Lover Martin, der im wahrsten Sinne des Wortes nicht tot zu kriegen ist. Trotz zugegebenermaßen einiger dramaturgischer Hänger, die das Tempo des Films immer wieder mal ausbremsen, ist John Polson ein echtes Feelgood-Movie in satten Farben und mit einem launigen Music Score gelungen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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