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Shrek – Der tollkühne Held

Shrek. USA 2001. R: Andrew Adamson, Vicky Jenson. B: Ted Elliott, Terry Rossio, Joe Stillman, Roger S. H. Schulman. S: Sim Evan-Jones. M: John Powell, Harry Gregson-Williams. P: PDI/Dreamworks Dt.
90 Min. UIP ab 5.7.02
Von Carsten Tritt Es war einmal, vor langer, langer Zeit (oder genauer gesagt: am 1. April 1944), als ein wuscheliges, blaues Eichhörnchen die Leinwand betrat, und glücklich erzählte, wie es sich freue, mit seinen niedlichen kleinen Freunden in einem niedlichen kleinen Zeichentrickfilm mitspielen zu dürfen. Doch die Karriere des wuscheligen, blauen Eichhörnchens war kürzer als gedacht, denn nur wenige Sekunden später erschien »Screwball Squirrel« und schlug den kleinen Racker so richtig herzlich zusammen. Das war die Antwort von Tex Avery auf den schon vor langer, langer Zeit nervenden Walt Disney-Kitsch.

Dreamworks widmet sich nun dem selben Thema und schickt ein grünes, dickes Dingsbums namens Shrek in die Welt der europäischen Märchen und Sagen – bzw. in das, was Disney sich darunter vorstellt. Die Radikalität von Avery erreicht Dreamworks dabei nicht. Denn die Filmemacher haben, um sich nicht selbst um das Kinderpublikum als wohl größte Einnahmequelle zu bringen, auf allzu gewagte Darstellungen verzichtet, und so verbleibt der Furzgag als das für den Film charakteristische Element. Allerdings bietet Shrek einige durchaus geistreiche und sehenswerte Persiflagen auf Disney.

Zudem besticht er durch seine technisch brillante, wenn auch etwas seelenlose Animation. Diese ist nicht nur detailgetreu, sondern vermag auch den Charakteren eine Mimik zu verschaffen, welche endlich als schauspielerische Leistung im weiteren Sinne zu würdigen ist. Bedauerlich ist allerdings, das jene kleinen Schwächen, die der Film nun mal hat, zumindest in der deutschen Fassung noch potentiert werden durch eine unsägliche Synchronisation der Titelfigur. Wer auch immer die Idee hatte, hierfür Sascha Hehn zu besetzen, hätte besser noch mal überlegen sollen. Durch dessen sülzige und ironiearme Darstellung wird der Film um einen großen Teil seiner parodistischen Leistung wieder beraubt, und vermag somit in einem ganz wesentlichen Punkt nicht mehr wirklich zu überzeugen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #23.
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