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Shouf shouf habibi! – Schau ins Leben

Shouf shouf habibi! NL 2003. R,B: Albert ter Heerdt. B,D: Mimoun Oaissa. K: Steve Walker. S: Sytse Kramer. M: Vincent van Warmerdam. P: Theorema Film. D: Najib Amhali, Touriya Haoud, Iliass Ojja u.a.
89 Min. Die TelePaten ab 1.12.05

Hurry Ap!

Von Franziska Heller Die ganze Bandbreite der Métissage-Filme zeugt von den unterschiedlichen Möglichkeiten, einen filmischen Blick auf das Leben in einer multikulturellen Gesellschaft zu werfen. Shouf shouf habibi! entfaltet seine Komik vor allem aus der Frage, wie sich die subjektiv ausgemachten äußerlichen, sichtbaren Merkmale von dem »Anderssein« einer Kultur mit westlichen popkulturellen Zeichen, Denken und Träumen vermischen.

Der Film richtet seine durchaus schrägen Perspektiven auf das alltägliche Leben einer sechsköpfigen marokkanischen Familie. Er zeigt die unterschiedlichsten Versuche der Mitglieder, ihre persönlichen Wünsche in Holland in zwei Wertesystemen auszubalancieren, wobei eine überraschende und abstruse Pragmatik zutage tritt. Der zwanzigjährige Ap ist der ehrgeizigste: Nicht nur, daß er – wenn er nicht verschläft – der kreative Kopf einer kleinkriminellen Gang ist. Ganz Mark Wahlberg-like überzeugt er sich morgens vorm Spiegel, in neongrünem oder getigertem Slip, von seinen Potenzen, die ihn reich und berühmt machen sollen. Er hat genaue Vorstellungen: Hollywood wird nämlich bald einen Film über 9/11 drehen. Wie gut, daß Freund Mussi aussieht wie Mohammed Atta, dann könnte er auch in den Fortsetzungen (»Afghanistan I-III«) mitspielen. Und falls dies nicht klappt, dann soll es eben etwas mit Büro oder so was sein – was Seriöses!

Am Grab des Vaters stellt gegen Ende ein alter Marokkaner fest, daß alle Kinder Versager seien. Doch dem Film – bei allen Anklängen an andere Filme dieses Genres – ist es bis dahin gelungen, ein ausgiebiges Schmunzeln beim Zuschauer zu erzeugen, wobei dies nicht nur auf Kosten der Protagonisten geht. Vielmehr ist es die eigene von Vorurteilen bestimmte Fremdwahrnehmung, mit der hier bewußt gespielt wird. Ap kann selbstironisch fünf Unterschiede zwischen sich und E.T. aufzählen, aber zwei Holländer schaffen es nicht, bei der Polizei Ap unter zehn Marokkanern zu identifizieren: »Die sehen doch alle gleich aus«. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #40.
© 2012, Schnitt Online

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