— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Shoppen

D 2006. R,B: Ralf Westhoff. K: Helmfried Kober, Christian Knöpfle. S: Uli Schön. M: Michael Heilrath. P: Ralf Westhoff Filmproduktion, DRIFE Productions. D: Sebastian Weber, Anna Böger, Felix Hellmann, Katharina Schubert, David Baalcke u.a.
95 Min. X Verleih ab 3.5.07

Fast Food-Liebe

Von Thomas Warnecke Ralf Westhoffs Film Shoppen ist genauso eine lustige und oberflächliche Angelegenheit wie das Speed-Dating (eine Art »Reise nach Jerusalem« zur Paarungsanbahnung), das er sich zum Sujet genommen hat. Vor der Kamera ist praktisch der erweiterte Nachwuchs der Münchner Kammerspiele versammelt, um anhand einer oder zweier kurzer Szenen die meist unbefriedigende Beziehungslage eines Münchner Singles zu porträtieren, und alle begegnen sie sich dann zur Mitte des Films, um in jeweils fünf Minuten zu entscheiden, ob sie eine/n von den anderen wiedersehen wollen.

Eine mögliche Haltung zu diesem, naja, Trend interessiert Westhoff eher nicht, vielmehr bietet das Setting den idealen Rahmen für ausgiebige Ensembleinszenierung. Tatsächlich wirkt das Speed-Dating wie eine Improvisationsübung auf der Schauspielschule; eine vorgegebene Situation, aus der die Darsteller mit ihren Vorstellungen vom Singledasein Dialog herzustellen versuchen und dabei genüßlich nichts anderes als Klischees zur Schau stellen. Aber improvisiert ist hier natürlich nichts, der Autor und Regisseur hat seine Einfälle zu einer pointensicheren Typenschau kondensiert, und weil die gezeigten Typen sich nicht nur optisch sehr einfach auseinanderhalten lassen (bei einer so speziellen Form des Kontakteknüpfens wird man in Wirklichkeit vermutlich weit weniger heterogen disponierte Typen antreffen als der Film suggeriert), verweilt die Kamera nie allzu lange bei einem einzelnen, gönnt der Film sich und uns nur hin und wieder eine Pause, wenn zur Andeutung der verstreichenden Zeit der Dialog durch Musik ersetzt wird und die Kamera zwischen den sich Unterhaltenden herfährt (mit solchen Videoclip-Sequenzen hat schon Baywatch Zeit geschunden). Der ganze Film ist schon geradezu krampfhaft um Kurzweil bemüht, und langweilig wird's auch wirklich nicht; nur daß eben das Spiel der Darsteller wie die Inszenierung des Films den Charakter des Lehrbuchhaften, der fehlerfreien Abschlußprüfung nicht loswerden. Ist ja gut, wenn in einer knappen Einstellung schon eine gewisse Vorstellung von Temperament oder gar Charakter der gezeigten Figur erzeugt wird, aber doch nur, damit mit dieser Figur, mit unserem Bild von ihr, in der Folgezeit etwas passiert.

In Shoppen werden nur die Inhalte verschiedener Schubladen miteinander kombiniert, und Unerwartetes ergibt sich allenfalls im letzten Teil des Films, wenn sich diejenigen, die sich übereinstimmend für ein Wiedersehen entschieden haben, erneut begegnen. Nett, aber zu harmlos für große Komik, zu flach für echtes Drama. Ohne Zweifel können wir jedenfalls den Ungeist hinter Buch, Regie und auch dem Speed-Dating selbst benennen: Er heißt Ökonomie. Aber manchmal speist halt auch der Münchner lieber bei McDonald's als bei Feinkost Käfer. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #46.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap