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Shooting Dogs

D/GB 2005. R: Michael Caton-Jones. B: David Wolstencroft. K: Ivan Strasburg. S: Christian Lonk. M: Dario Marianelli. P: Egoli Tossell, Crossday u.a. D: John Hurt, Hugh Dancy, Dominique Horwitz u.a.
115 Min. Timebandits ab 17.5.07

The Good, the Bad and the Helpless

Von Mary Keiser 1994 tötete die Hutu-Armee in Ruanda mit Unterstützung der Zivilbevölkerung über 800.000 Tutsi. Um das Geschehene begreifbarer zu machen, ist es generell keine schlechte Idee, es in einem Spielfilm zu thematisieren. Ergreifende Einzelschicksale rufen nun einmal mehr Empathie hervor als das schwer faßbare Leid einer ganzen Bevölkerungsgruppe. Möglicherweise zog Regisseur Michael Caton-Jones daraus den Fehlschluß, das Publikum um jeden Preis erschüttern zu müssen, unter Einsatz abgedroschenster Hollywood-Klischees.

Wie fast nicht anders zu erwarten, kreist die Handlung weder um Hutu noch um Tutsi, sondern um Europäer. Schon die Einführung der beiden Hauptdarsteller läßt keinen Zweifel an den noch zu erwartenden Heldentaten aufkommen. Der standhafte Pater Christopher spendet unermüdlich Trost und weise Ratschläge. Der junge Lehrer Joe, der der Gesellschaft mit seiner Arbeit in Afrika »etwas zurückgeben« will, albert sympathisch mit seinen Schülern herum. Er und sein bester Freund François sind schwarz-weiße Buddies nach dem Erfolgsrezept von Filmen wie Lethal Weapon oder 48 Hours. Keineswegs überraschend taucht dann auch das altbewährte Bürgerkriegsmotiv »Bruder gegen Bruder« (siehe Fackeln im Sturm) auf. Joe verliert seinen Glauben, als er seinen Busenfreund ein bluttriefendes Buschmesser schwingend bei den Hutu-Milizen wiederfindet.

Gut und Böse ist in etwa so differenziert dargestellt wie in Star Wars oder Lord of the Rings. Der intrigante Hutu-Politiker würde in Mordor nicht auffallen, und die Szenen, in denen das aufgewiegelte Volk blutrünstig vor dem Schulgelände Stellung bezieht, ähneln atmosphärisch dem Aufmarsch der Orks vor Helms Klamm. Die wichtigste Inspirationsquelle scheint allerdings Schindler's List gewesen zu sein, und alles, was daran zu bemängeln war, trifft auch auf Shooting Dogs zu. Ruander können anscheinend genau wie Juden keine Helden sein, sondern nur Opfer, die gerettet werden müssen. Und genau das tut der weiße Priester, der sich opfert, um ein paar schwarze Kinder zu retten. Amen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #46.
© 2012, Schnitt Online

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