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Sex in Brno

Nuda v Brne. CZ 2003. R,B: Vladimír Morávek. B,M: Jan Budar. K: Marek Diviš. S: Jirí Brožek. P: Tschechisches Fernsehen, Bontonfilm. D: Katerina Holánová, Jan Budar, Martin Pechlát, Filip Rajmont u.a.
106 Min. Ventura ab 27.1.05

Heute Nacht passiert’s

Von Frank Brenner Würde man den Originaltitel von Vladimír Moráveks tschechischer Filmkomödie wortwörtlich ins Deutsche übersetzen, müßte der Film eigentlich »Langeweile in Brno« heißen. Wieso sowohl diese wörtliche Übersetzung als auch der tatsächliche deutsche Verleihtitel ins Schwarze treffen können, erschließt sich dem Zuschauer erst, wenn er mit Brno vertraut gemacht worden ist. Die Hauptstadt Mährens ist auf geradezu skurrile Art altmodisch geblieben, obwohl sie immerhin die zweitgrößte Stadt Tschechiens ist. Daß die Uhren hier anders laufen als beispielsweise in der Weltstadt Prag, macht uns Morávek in seinem Film nicht zuletzt dadurch deutlich, daß er in Schwarzweiß gedreht hat und somit schon auf der visuellen Ebene Nostalgie verströmt.

Standa ist ein schüchterner, leicht zurückgebliebener junger Mann, der sich bei einem Leichtathletik-Wettbewerb in Olinka verliebt hat, eine aufgrund ihres unschönen Gebisses ebenfalls noch recht zurückhaltende junge Frau aus Brno. Nachdem Standa von seinem Bruder in die Tücken des Kondomgebrauchs eingewiesen wurde, machen sich die beiden mit dem Bus auf nach Brno, wo Standa und auch Olinka nun nach einer einjährigen Brieffreundschaft ihre Jungfräulichkeit verlieren sollen. Daneben verwebt Morávek auch die Liebeleien von mindestens drei anderen Paaren in die turbulenten Vorkommnisse einer Nacht in Brno.

Der Debütregisseur hat die Beziehungsvignetten auf talentierte Weise ineinander verschachtelt und geschickt durch gleich mehrere rote Fäden miteinander verknüpft. Immer wieder wird ein Schlager zitiert, in dem auf geradezu prophetische Weise kundgetan wird, daß »es heute Nacht passieren wird«. Gleich zu Beginn des Films sehen wir den Fernsehschauspieler Miroslav bei den Dreharbeiten zu einer Serie, in der er sich partout den Satz nicht merken kann, daß in jeder Nacht in Brno 150.000 Menschen Sex haben – auch das ein vielsagendes Omen für den Film. Am eindrucksvollsten ist freilich die Analogie mit den Teigwaren. Standa bekommt den richtigen Umgang mit Kondomen von seinem Bruder anhand eines phallusähnlichen Hörnchens beigebracht. Durch eine gelungene Montage führt Morávek danach seine zweite Protagonistin, Olinka, ein, die damit beschäftigt ist, ein Baguette in mundgerechte Kanapees zu zerhackstückeln. Im Bus schließlich verspeisen sämtliche weiblichen Passagiere ihre mitgebrachten belegten Hörnchen, und auch in einer der letzten Einstellungen wird ein gebeuteltes Hörnchen wieder symbolisch im Bild erscheinen.

Dieser witzige optische Einfallsreichtum und das ungezwungene, lebensechte Spiel der unverbrauchten Darsteller machen Sex in Brno zu einer kurzweiligen Angelegenheit, bei der die Langeweile der Figuren nicht auf die Zuschauer abzufärben droht. 1970-01-01 01:00
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