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Severance

GB 2006. R: Christopher Smith. B: James Moran. K: Ed Wild. S: Stuart Gazzard. M: Christian Henson. P: Dan Films, Isle of Man Film Ltd., N1 European Film Prod. u.a. D: Danny Dyer, Laura Harris, Tim McInnerny, Toby Stephens, Claudie Blakley u.a.
96 Min. Verleih ab 30.11.06

Tief im Osten

Von Matthias Huber Es beginnt irgendwo im Wald: Zwei Frauen und ein Mann auf der Flucht vor irgendwem, die Frauen stürzen in eine Fallgrube, der Mann rennt weiter, nicht bereit, ihnen zu helfen. Der Score ist ernst, nicht treibend, eher mystisch-atmosphärisch. Die Bäume rauschen vor der Kamera vorbei, die den Mann im Bildzentrum zeigt. Dann, ein dumpfer Klang, die Musik erstirbt, vom Mann ist nichts mehr zu sehen. Die Kamera fährt noch ein paar Meter weiter, kehrt dann um, findet den Fliehenden wieder, sich die Nase haltend, mit der er offenbar gegen einen Ast gerannt ist. In der nächsten Einstellung ziehen sich die Frauen aus, um aus ihren Kleidern ein Seil zu knüpfen, mit dem sie aus der Grube klettern können.

Severance hält den Eindruck eines ernsten Genre-Beitrages keine zwei Minuten durch. Regisseur Christopher Smith wählt auch eine dementsprechend postmodern-zynische Konstellation als Schauplatz für seine Slasher-Komödie: Die Gruppe Menschen, die es hier mit sadistischen Hinterwäldlern zu tun bekommt, besteht ausnahmsweise nicht aus den üblich zusammengewürfelten Teenagern, sondern aus der Werbeabteilung eines Rüstungskonzerns, die irgendwo im osteuropäischen Niemandsland an einem Motivationswochenende teilnehmen sollen. Die sadistischen Hinterwäldler dagegen sind Veteranen irgendeines Bürgerkriegs (Severance erscheint bezüglich seiner Vorurteile gegenüber der Region noch willkürlicher als Hostel), und außerdem mit den Produkten des Arbeitgebers ihrer Opfer bestens ausgerüstet.

Gemessen an den Genre-Vertretern seit Scream ist dieses Konzept noch höchstens in der sehr überspitzten Konfrontation zwischen Waffenhersteller und -anwender originell. Die medienreflexiven Gags dagegen, wie zum Beispiel die Kamerafahrt zu Beginn, wirken oft eher albern anstatt pointiert. Auch die obligatorische Ursprunglegende über die Herkunft der Killer gerät platt: So wird zunächst eine krude Geschichte von einem Irrenhaus und einer Revolte der Insassen irgendwann um 1900 erzählt, und natürlich wählt Smith für diese Sequenz den Stil eines Stummfilms voller Nosferatu-Anleihen. Die nächste Version dann erzählt von einem Trupp desertierter Soldaten irgendeines jüngeren osteuropäischen Konfliktes – und ist demzufolge in grobkörnigen Digitalvideobildern gedreht, wie aus einer Fernsehreportage.

Die Arroganz, die Severance an den Tag legt, läßt den Film schließlich auch scheitern. Unter dem Nimbus des intelligent-feinsinnigen Humors verzeiht sich Christopher Smith offenbar auch die größten Albernheiten, und die vermeintlich originellen Einfälle sind letzten Endes auch nur eine Zusammenfassung des postmodernen Horrorkinos der letzten zehn Jahre. Zum Ende des Films treffen die beiden noch überlebenden Protagonisten dann auf ihren Chef und berichten ihm von ihrer Misere. Er, der Waffenproduzent, spricht sofort von Terroristen und dass er genau das Richtige dabei habe: einen tragbaren Raketenwerfer – der auch sofort zu fröhlicher Paraden-Musik zum Einsatz kommt. Ihr Ziel, die vermeintlichen Terroristen, trifft die Rakete allerdings nicht – stattdessen einen Passagierjet, der das Gelände gerade überfliegt. Der Jet stürzt ab, und Severance erleidet spätestens dank dieser peinlichen Szene das gleiche Schicksal. 1970-01-01 01:00
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