Serenity – Flucht in neue Welten

Serenity. USA 2005. R,B: Joss Whedon. K: Jack N. Green. S: Lisa Lassek. M: David Newman. P: Barry Mendel. D: Nathan Fillion, Alan Tudyk, Morena Baccarin, Adam Baldwin u.a.
119 Min. UIP ab 24.11.05

Moralischer Sieg

Von Patrick Hilpisch Am Anfang von Serenity steht ein Idyll: Eine Gruppe von Schülern lernt in einer malerischen Landschaft die Grundlagen ihrer »perfekten« Gesellschaft. Doch es dauert nicht lange, bis sich in dieses ungemein zugespitzte Bild harmonischer Eintracht Irritationsmomente mischen, die es letztendlich kollabieren lassen. Das gesunde Mißtrauen auf Seiten des kinoerfahrenen Zuschauers wird belohnt.

Regisseur Joss Whedon, der als Vater der TV-Serien Buffy und Angel – Jäger der Finsternis bekannt wurde, hat bereits in diesen den Rekurs auf das popkulturelle Vorwissen des Publikums und das Spiel mit genrebezogenen Erwartungshaltungen und Klischees zu einem integralen Bestandteil des Konzepts gemacht. Und auch in Serenity stellt dieses selbstreflexive Element neben den schlagfertigen, ironischen Dialogen eine der tragenden Säulen des filmischen Gerüsts dar.

Dabei war der Serenity zugrundeliegende Stoff eigentlich nie für die Kinoleinwand konzipiert. Mit seiner für Fox produzierten Sci-Fi-Western-Serie Firefly wollte Whedon in gewohnter Manier an seine bisherigen TV-Erfolge anknüpfen, doch nach 11 Episoden kam das vorzeitige Aus. Eine treue Fanbase und die enorme Resonanz bei der anschließenden Auswertung der Serie auf DVD brachte das Thema Firefly erneut auf den Produzententisch, diesmal jedoch fürs Kino, mit neuem Titel.

Whedon dampfte zu diesem Zweck die Stories um Captain »Mal« Reynolds und die zusammengewürfelte Besatzung des Raumschiffes Serenity auf Kinoformat ein: Nach einem postterrestrischen Bürgerkrieg hat eine dubiose Planetenallianz die Macht im Sonnensystem übernommen und will sie auch mit allen Mitteln behalten. Reynolds und seine Mannschaft – ehemalige Bürgerkriegskämpfer für die andere Seite – versuchen auf verlorenem Posten gegen die Übermacht der Allianz anzukämpfen. Doch als die mysteriöse Telepathin River und ihr Bruder auf der Flucht vor den Häschern der Machthaber zu ihnen stoßen, gelangen sie schließlich an brisantes Bildmaterial, das die wahren Machenschaften der Allianz aufdecken könnte.

Der Kampf um die Verbreitung dieses enthüllenden Materials führt zu einem finalen Showdown zwischen Reynolds und seinem namenlosen Gegenspieler, einem auf die Serenity-Crew angesetzten Killer der Allianz. Im Duell zwischen diesen beiden Antagonisten um eine sendestarke Übertragungsstation spiegelt Whedon auf raffinierte Weise seinen persönlichen »Krieg« gegen Fox TV. Der Fernsehstation, die Firefly nicht mehr senden wollte. Mit der Veröffentlichung von Serenity straft er die Fox-Verantwortlichen bezüglich der Tragfähigkeit seines Formates Lügen. Die entsprechende Auflösung des filmischen Konflikts sei hier der Fantasie des Lesers überlassen.

Ob aus dem moralischen Sieg auch ein kommerzieller wird, bleibt hingegen abzuwarten. Denn vieles von dem, was Whedon in seinem Film präsentiert, hat man bereits in vielfacher Ausführung und an prominenter Stelle (Star Wars, Night of the Living Dead) gesehen. Der wilde Genremix und Whedons typischer Dialogwitz können zwar durchaus über weite Strecken unterhalten, doch allzuoft drängt sich ein bitterer Nachgeschmack angesichts des teils dreisten Raubbaus an Genrevorläufern und Whedons TV-geschulter konservativer Werteordnung auf. Diese bricht er zwar im Laufe der Handlung des öfteren auf, um jedoch um so überschwenglicher zu ihr zurückzukehren.

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