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Scream 3

USA 2000. R: Wes Craven. B: Ehren Kruger. K: Peter Deming. S: Patrick Lussier. M: Marco Beltrami. P: Miramax. D: Neve Campbell, Courteney Cox, David Arquette, Parker Posey, Lance Henriksen u.a.
121 Min. Kinowelt ab 22.6.00
Von Nikolaj Nikitin Noch immer existieren Kinogänger, die die Meinung vertreten, bei einer Trilogie bestehe die vage Möglichkeit, daß der zweite oder gar dritte Teil spannender, künstlerisch wertvoller oder unterhaltsamer sei als der erste. Euch allen da draußen führt die Scream-Trilogie wieder überaus deutlich vor Augen, um was für eine Fehleinschätzung es sich handelt.

Dabei spricht die fast kontinuierlich beschäftigte Scream-Crew eher für die Einhaltung eines künstlerischen Standards, doch der Verfall der Serie ist enorm. Lieferte der erste Teil nicht nur ein Lehrstück in Sachen Spannung, mit überzeugenden Darstellern, und entpuppte sich als versiertes Zitatenkabinettchen, so präsentiert der zweite Teil einen überaus lauen Aufguß, bei dem nach einem Drehbuchfehler der Täter schon früh ersichtlich war.

Diesen fatalen Fehler wiederholt Scream 3 zwar nicht, aber dafür begeht er den schlimmsten, den ein Horrorfilm begehen darf: Er langweilt zu Tode, statt bis dahin zu erschrecken. Obwohl ständig Blut fließt, ist Scream 3 der blutleerste Film, den ich seit einiger Zeit gesehen habe. Dabei waren die Grundvoraussetzungen gar nicht die schlechtesten.

Erneut wird das Thema »Film im Film« spielerisch eingesetzt. Einst ein Garant für humorvolles Indie-Feeling, versagt die bezaubernde Parker Posey g(l)änzlich in der Film-im-Film-Rolle als Cox, gegen die sich zum Glück nun wahrlich nichts sagen läßt. Selbst Horror-Ikone Henriksen bietet einen schwachen Abklatsch seiner selbst, einzig ein 30sekündiger Cameo von Carrie Fisher kann bannen, was für zwei Stunden Laufzeit wahrlich nicht ausreicht. Am Enttäuschendsten erweisen sich die einfallslosen Morde. Ständig läuft der Schlitzer bloß mit seinem blanken Messer herum, während ich voller Sehnsucht auf eine Killer-Garagentür warte.

Im Vergleich zu den amerikanischen Kinozuschauern muß der deutsche noch mehr leiden, denn ihm wird vor dem drögen Langfilm noch ein grottenschlechter Kurzfilm serviert. Bei der Betrachtung von Viergeteilt ist es kein Wunder, daß die Kinobesitzer nicht mehr bereit sind, Kurzfilme zu spielen. Wieder mal hat ein untalentierter Filmemacher seinen Kurzfilmkollegen für einige Zeit den Weg auf die Kinoleinwand verschlossen. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #19.
© 2012, Schnitt Online

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