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Schwesterherz

D 2006. R: Ed Herzog. B: Heike Makatsch, Johanna Adorjan. K: Sebastian Edschmid. S: Uta Schmidt. P: Egoli Tossell. D: Heike Makatsch, Anna Maria Mühe, Sebastian Urzendowsky, Ludwig Trepte u.a.
98 Min. NFP ab 6.9.07

Halbherzig

Von Sascha Ormanns Spricht man in Deutschland von der Musikindustrie, fällt auch schnell der Name Dieter Bohlen. Die Musikbranche – zumindest die rein kommerziell orientierte und somit die, für die Dieter Bohlen steht – ist oberflächlich. Da gibt es Casting Shows wie Deutschland sucht den Superstar oder Popstars, für deren Vermarktungsstrategien Namen stehen, wie eben jener Dieter Bohlen, Dieter Falk oder Thomas Stein. Ziel ist es jedoch nicht, einen neuen Super- oder Popstar zu etablieren, sondern mit kleinstem Aufwand das größtmögliche Geld zu scheffeln. Lieder werden am Fließband produziert und von Anfang an so konzipiert, daß sie im Prinzip jeder singen kann, wer braucht schon Individualität, Hauptsache das Video wird auf VIVA (oder MTV) gespielt. Möglichst häufig.

Heike Makatsch – einst selbst Teil jener Musikbranche – hat sich mittlerweile als ernstzunehmende deutsche Schauspielerin etabliert und spielt in Schwesterherz den Prototypen einer karriereversessenen Frau in den Dreißigern. Makatsch mimt die erfolgreiche (und oberflächliche) Musikproduzentin Anne, sie ist Workaholic und einigermaßen erfolgreich. In einem Anflug von »Großzügigkeit« spendiert Anne ihrer kleineren Schwester Marie zum 18. Geburtstag einen Spanienurlaub. Sowohl ihrer Schwester als auch dem Zuschauer wird schnell klar, daß Makatschs Figur nicht die zu beneidende Superfrau ist, zu der es sich aufzublicken lohnt: Anne ist eine verbitterte, zynische Karrierefrau, die im Urlaub merkt, daß nicht alles so rosig ist, wie gedacht.

Diese Verbitterung, die ihre Anfänge in einer Sexeskapade mit einem ca. 15 Jahre jüngeren »Mann« findet und bis zur Koksorgie ausartet, drückt sich auch durch die Wahl der Bilder aus. Spanien erscheint nicht als Urlaubsparadies, die Bilder sind größtenteils Grau in Grau gehalten, das Wetter ist eher schlecht und bildet so die innere Zerrüttung Annes ab. Die Rolle der kleinen Schwester, von Anna Maria Mühe durchaus besser gespielt als es Makatsch (für die Rolle der Anne) möglich war, fungiert in Schwesterherz leider nur als Gegenpol zur Medienzicke. Obwohl 15 Jahre jünger, scheint Marie reifer und mit einem Plan fürs Leben ausgestattet. Spannender wäre es gewesen, darauf einzugehen, warum sich die Schwestern – obgleich sie ja die genetisch gleichen Voraussetzungen hatten – so unterschiedlich entwickelt haben: Doch diese Frage bleibt uns das Drehbuch schuldig.

Mit Schwesterherz möchte Regisseur Ed Herzog vermutlich eine Parabel der heutigen Arbeitswelt zeichnen, außerdem ist ihm daran gelegen, die Beziehung zweier Schwestern zu beleuchten. Irgendwie kommt das alles jedoch zu konstruiert und beiläufig daher. Herzog wäre gut beraten gewesen, aus Schwesterherz entweder einen längeren Film zu fertigen, um so mehr Zeit für beides zu haben, oder sich nur auf eine der Möglichkeiten zu konzentrieren, diese dann tiefer auszuarbeiten und den Zuschauer damit zufriedener aus dem Kino zu entlassen. 1970-01-01 01:00
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