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Der Schwan mit der Trompete

USA 2000. R: Richard Rich, Terry L. Noss . B: Judy Rothman-Rofe. S: Joseph L. Campana. M: Marcus Miller. P: Rich Crest Animation, Lin Oliver Productions.
75 Min. Columbia ab 14.6.01
Von Manuela Brunner »Du hörst doch, ich tanze« – soll Tschaikowsky einmal gesagt haben; von ihm stammen die wohl berühmtesten tanzenden Schwäne, der schwarze, der sterbende, die vier kleinen. Schon steigen von dem inneren Auge Bilder von graziösen Ballerinas auf, die über spiegelglattes schwarzes Bühnenparkett schweben. Vergessen ist, daß Schwäne plumpe Watschelfüße haben, und die Erinnerung daran erwacht umso schmerzhafter, wenn der hypernervöse Vater Schwan in diesem Trickfilm die ersten Pirouetten versucht und dazu auch noch aus voller Kehle ein albernes Willkommenslied für seine frisch geschlüpften Küken schmettert.

Ausgerechnet derartige Musikeinlagen – die auch bei den deutschen Versionen der Disney-Filme immer etwas peinlich wirken – werden zum treibenden Element, erzählt dieser Film doch die Geschichte des eben geborenen Trompetenschwans Louie (Achtung, Anspielung!), der ohne Stimme geboren wurde und dieses Manko mittels einer menschlichen Trompete auszugleichen trachtet. Dabei steigt er zum großen Jazz-Star in der Welt der Menschen auf.

Solche Geschichten funktionieren vielleicht gerade noch als Erzählung im Märchenbuch, stoßen jedoch in ihrer visuellen Umsetzung, selbst im Neverland des Trickfilms, bald an ihre Grenzen. Schwäne sind nun mal weiß, also haben die Zeichner versucht, mittels verschiedenfarbiger staubwedelartiger Formationen auf den Köpfen die einzelnen Figuren unterscheidbar zu machen.

Bei der Animation der menschlichen Figuren versucht sich dieser Film bewußt vom Disney-Stil abzuheben, mit einem Ergebnis, das unangenehm nach Bibi Blocksberg aussieht und sich auch so anhört: Die schrille Lehrerin wird von Kerstin Sanders-Dornsief gesprochen und weckt Erinnerungen an Karla Kolumna, die rasende Reporterin. Und der kleine Junge, der sich im Ferienlager mit dem jungen Schwan anfreundet und später – selbstverständlich – mal Tierschützer wird, ist so eine Art Reinkarnation von Otto, dem besten Freund des allseits beliebten Benjamin Blümchen. Und das mit dem Trompeten hat der alte Graue auch besser drauf. 1970-01-01 01:00
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