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Eine Schwalbe macht den Sommer

Une hirondelle a fait le printemps. F 2000. R,B: Christian Carion. B: Eric Assous. K: Antoine Heberle. S: Andrea Sedlácková. M: Philippe Rombi. P: Nord-Ouest. D: Michel Serrault, Mathilde Seigner, Jean-Paul Roussillion u.a.
103 Min. Prokino ab 20.6.02
Von Matthias Grimm Sandrine ist auf der Flucht – vor der Vergangenheit, dem anderen Geschlecht oder vor sich selbst. Genau erfährt es der Zuschauer eigentlich nie, doch die Alternative, die sich ihr bietet, ist radikaler kaum vorstellbar: Als einsame Landwirtin auf einem entlegenen Bauernhof wählt sie ein Extrem, das ihr die Selbstfindung verweigert. Stattdessen findet sie, ohne zu suchen, jemanden, der schon vor langer Zeit geflüchtet ist, und deren beider Bewegung von dem anderen weg sie am Ende vielleicht zusammenführen und erlösen wird.

Das romantische Thema des Eskapismus konterkariert Christian Carion durch einen realistischen Stoizismus, der die Erlösung nicht als schicksalhafte, metaphysische Bedingung erklärt, sondern über die Askese das Einnehmen eines natürlichen Ortes propagiert. Sich ganz dieser Aussage verpflichtend, nimmt sich die Kameraführung bewußt zurück, um in Nuancen ihre Stärken auszuspielen: in Blicken, die Momente zu lange dauern, oder im Tonschnitt, der Lebensweisen und Gemütszustände subtil zu kontrastieren weiß. Als der Zuschauer mit Sandrine am ersten Tag ihres neuen Lebens mit den nicht endenwollenden Todesschreien eines Schweines gequält wird, zeigt dies nicht nur das Anderssein des neuen Lebens, sondern es symbolisiert die Willensstärke, die dafür nötig ist. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #27.
© 2012, Schnitt Online

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