Rebellion als Farce
Von Thomas Waitz
In der Rock'n'Roll-Realschule des Richard Linklater gab es einmal einen Film, der davon handelte, daß Musik tatsächlich über eine befreiende Kraft verfügen kann. In
Dazed and Confused – am Ende der 70er spielend – war die Musik Ausdruck des Nicht-Einverstandenseins einer jungen Generation, die zumindest sehr genau wußte, was sie nicht tat – und die bejahende Sympathie, mit der Linklater sie beschrieb, bildete eine Umkehrung der reaktionären Grundmuster des Genres juveniler Draufgänger.
Daß deren Energie zwanzig Jahre später im fortwährenden Stillstand hochtourig ins Leere läuft, verkündete
Suburbia, und wenn am Ende das Pathos der Rebellion zur Farce wird, dann steht dafür nun
School of Rock. Eine Farce ist der Film freilich selber.
Als Reintegrationsprogramm für zuvor nie Ausgeschlossene und Erbauungsfilmchen ist die »sympathisch anarchistische Schulkomödie mit viel Herz, Humor und Musikzitaten« eine Mischung aus Familienunterhaltung à la
Migthy Ducks (»Herz«) und der Infantilität eines Farrelly-Films, abzüglich sämtlicher Körperfunktionswitze allerdings (»Humor«).
Das Drehbuch arbeitet sich tapfer an Standardsituationen ab, die Figuren gewinnen keine charakterliche Tiefe, das groteske Spiel des Hauptdarstellers gipfelt in einer Nummernrevue schlechter Rockklischees. So wie die Rebellion zur Pose erstarrt, gerät Linklater die Einstellung zur leeren Behauptung. Einmal verhandelt der Film die Frage, welchen Stellenwert Rockmusik einnimmt, ganz direkt – »Maybe it's time to give up those dreams«, äußert sich eine Figur. Aber das, versteht sich, ist allein rhetorisch gemeint.
Den scheinbaren Widerspruch zwischen einer schon immer konformistischen Lebensweise und einer Attitüde des Rebellischen aufzulösen, darin liegt die Leistung von
School of Rock. Für das kommende Sequel des bereits im Original geschwätzigen
Before Sunrise verheißt das jedenfalls nichts Gutes.