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Der schönste Tag in meinem Leben

Il piu bel giorno della mia vita. I/GB 2002. R,B: Cristina Comencini. B: Lucilla Schiaffino, Giulia Calenda. K: Fabio Cianchetti. S: Cecilia Zanuso. M: Franco Piersanti. P: Cattleya u.a. D: Virna Lisi, Margherita Buy, Sandra Ceccarelli, Luigi Lo Cascio u.a.
102 Min. Movienet ab 15.7.04

So einfach ist das!

Von Christian Lailach Wenn Telefonnummern das einzige Hindernis zwischenmenschlicher Beziehungen darstellten, gehörten sie abgeschafft. Pronto! Jedoch lassen sie sich zwischen Fremd- und Eigenwahrnehmung nicht wirklich als einflußreicher Faktor einreihen, auch wenn mit dem derweil zumeist mobilen Telefon ein immer größerer Teil der kommunikativen Vielschichtigkeit verlorengeht.

Welche Auswirkungen unterschiedliche Beziehungen auf sich selbst und wiederum auf andere Beziehungen haben, zeigt Cristina Comencini in jener Irenes zu ihren beiden Töchtern und ihrem Sohn, frei von jedem anmutend exemplarischen oder gar moralischen Charakter. Daß dabei alle Beziehungen eine in sich gewissermaßen erhöhte Problematik tragen, ist gleichfalls nahezu unbedeutend. Gefühle werden angerissen, teils des öfteren weiterverarbeitet, dessen ungeachtet fortwährend unvermittelt im Raum stehengelassen.

Die Identifikation mit den Figuren ist daher von Anbeginn aufgeweicht, der Blick zudem zeitweise in eine kindliche Ahnungslosigkeit verklärt. Eine Situation läuft im Bild weiter, der Ton entstammt schon der nächsten; beide haben miteinander nichts, aber auch gar nichts zu tun. Gleichwohl beeinflussen sich dem Anschein nach alle auf einer Metaebene und versuchen hier, den Zuschauer zu erreichen.

Das schaffen sie erstaunlicherweise und hinterlassen nichts und alles. Nichts, da es nur zu alltägliche Konstellationen sind. Alles, da genau dieser Alltag weiterlebt und schlußendlich seine Alltäglichkeit verlieren mag. Genau dies wird äußerst feinsinnig durch die energische, spielerisch ernsthafte Naivität hervorgerufen oder zumindest gestützt. Jede getroffene Aussage bleibt Eventualität, auch wenn sie Gewißheit scheinen mag. Letztlich überwiegen einzig die Gefühle; in all ihrer Empfindung positiv: In diesem Augenblick flammt er auf, der schönste Tag in meinem Leben. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #35.
© 2012, Schnitt Online

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