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Schneefrei

Snow Day. USA 2000. R: Chris Koch. B: Will McRobb, Chris Viscardi. K: Robbie Greenberg. S: David Finfer. M: Steve Bartek. P: Nickelodeon Movies, Paramount. D: Chris Elliott, Mark Webber, Jean Smart, Chevy Chase, Pam Grier, Iggy Pop u.a.
89 Min. UIP ab 25.1.01

Für keine Familie

Von Frank Brenner Für Kids im Schulalter ist es das Größte, wenn der verhaßte Unterricht mal für einen Tag ausfällt. Wetterbedingte freie Tage kommen in Deutschland höchstens mal wegen außergewöhnlicher Temperaturen im Hochsommer vor, Hitzefrei eben. An der Ostküste Amerikas hingegen kann es auch mal zu Schneefrei kommen, wenn über Nacht gefallene weiße Massen Straßen und Haustüren blockieren. Schneefrei ist ein Film aus kindlicher Sicht, bei dem das Tollste im Leben seiner Protagonisten solch ein unterrichtsfreier Tag aufgrund Schneefalls ist. Das klingt nicht nur äußerst dürftig, sondern ist es auch.

Beabsichtigt haben die Produzenten eine Komödie um Schneeballschlachten und die Auseinandersetzungen der Kinder mit dem fiesen »Schneepflugmann«. Letzterer versucht natürlich nicht nur einfach seiner Arbeit nachzugehen, sondern ist die von Chris Elliott auf gewohnt abstoßende Weise (man denke nur an seinen Auftritt in There's Something About Mary) gespielte Karikatur eines Filmbösewichts, der den Kleinen den Schneekampf angesagt hat. Die eigentlichen Hauptdarsteller des Films sind jedoch einige Teenager, die den Schulausfall nutzen, um erste erotische Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht zu sammeln.

Chris Koch, der bislang lediglich Serienepisoden für den amerikanischen Kinderkanal »Nickelodeon« gedreht hat, möchte mit seinem Spielfilmdebüt wohl die ganze Familie glücklich machen. Für die Kleinen gibt es deswegen die Schneeballschlachten und auf magische Weise zum Leben erwachende Spielzeugfiguren, die Jugendlichen sollen mit dem Liebesgeplänkel geködert werden, und für die Erwachsenen sind u.a. Chevy Chase, Jean Smart und Pam Grier als Identifikationsfiguren angetreten, die im Film mit beruflichen Problemen klarkommen müssen – und im wirklichen Leben bestimmt auch bald, wenn sie weiterhin solche Rollen annehmen, bei denen sie hoffnungslos unterfordert sind und dem mündigen Zuschauer nur leid tun können.

Kochs Rechnung ist nicht aufgegangen. Glücklich macht dieser Film niemanden. Die Dreikäsehochs werden sich womöglich über gelb gefärbte Spezialschneebälle und die Verdauungsprobleme des dicklichen Außenseiters amüsieren, sich bei den Balzversuchen der Teens aber schrecklich langweilen. Und wenn man mal aus dem Kindergartenalter raus ist, hat man bei dem Film sowieso nicht mehr viel zu lachen (höchstens noch über den Gastauftritt von Iggy Pop als Al-Martino-Fan, der über Metal-Musik ablästert), sondern wartet nur noch voller Ungeduld aufs Ende. Denn Chevy Chase in unpassenden Kostümen vor der Kamera herumalbern zu sehen, ist im 21. Jahrhundert wirklich nicht mehr besonders originell… 1970-01-01 01:00
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