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Schnee, der auf Zedern fällt

Snow Falling on Cedars. USA 1999. R,B: Scott Hicks. B: Ron Bass. K: Robert Richardson. S: Hank Corwin. M: James Newton Howard. P: The Kennedy/Marshall Company, Universal Pictures. D: Ethan Hawke, James Cromwell, Max von Sydow, Youki Kudoh, Sam Shepard u.a.
113 Min. UIP ab 23.3.00

Bildgewaltig

Von Valeria Füchtner Eine undruchdringliche Nebelwand erschwert die Sicht. Nur langsam gewinnen die Bilder an Kontur. Wie ein Puzzel löst der Regisseur Scott Hicks die meisterhafte Erzählung des amerikanischen Autors David Guterson in seiner Verfilmung von Schnee, der auf Zedern fällt auf.

Basierend auf dem Welterfolg von 1995, entwickelt Hicks eine fesselnde Prozeß-, Kriegs- und Liebesgeschichte. Als ob die sensibel gesponnenen Bilder des Romanciers Wirklichkeit geworden wären, übernimmt der Film die Erzählstruktur des Buches. In eine unglaublich faszinierende Naturkulisse, gigantische Schneelandschaften und Zedernwälder, bettet Hicks sein Spiel mit den Erzählebenen. Ein Mordprozeß ist Ausgangspunkt einer Geschichte von Haß und Liebe sowie Verknüpfungspunkt von Vergangenheit und Gegenwart.

In der Nachkriegszeit wird in einem Fischerort ein Amerikaner japanischer Abstammung des Mordes beschuldigt. Der darauffolgende Prozeß bricht die Kleinstadtidylle auf. Vorurteile sind Antrieb für die Beschuldigung und den Verdacht. Die Schilderung der Prozeßbeteiligten, der gegenwärtigen Geschehnisse um die Gerichtsverhandlung, sind verwoben mit den Jugenderinnerungen des prozeßbeobachtenden Jungjournalisten Ishmael Chambers.

Schnelle Schnittsequenzen stehen langen Einstellungen gegenüber (Großaufnahmen der Landschaft und Nahaufnahmen der Gesichter). So sind es die Bilder der Erinnerung, die durch schnelle Bildabfolgen gekennzeichnet sind. Hicks und seinem Cutter Hank Corwin gelingt es, eine ungeheure Dichte der Bilder zu schaffen. Gleichzeitig wird das Verständnis des Zuschauers gewährleistet und die Stimmung der Geschehnisse transportiert. So zeigen lange wortlose Sequenzen Bilder der Deportation der japanischen Bevölkerung in Internierungslager. Die elegische Musik unterstreicht die Atmosphäre. Voller Pathos verdichtet sie die wortlosen Momente. Dem entgegen stehen die Überblendungen des Tons, der Sprache in Augenblicken der Erinnerung seitens des Journalisten. Ebenso wie seine Filmpartnerin Youki Kudoh als Hatsue Miyamoto ist Ethan Hawke als Ishmael Chambers gelungen besetzt. Beide verkörpern ihre Charaktere im vollkommenen Maße.

Geschickt nutzt Hicks, wie Guterson, vor allem die Jahreszeiten und Naturgewalten als dramaturgisches Mittel. Der Kamerablick durch Glas, Nebel, Türspalten und andere Sichtbeschränkungen verwischt, verzerrt und dezimiert die klare Sicht. Sie verbildlicht die Problematik der Erzählung – bis zuletzt bleibt der Mordfall undurchdringlich und die Lösung durch den geschichtlichen Zusammenhang verzerrt. 1970-01-01 01:00
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