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Der Schmetterling

Le papillon. F 2002. R,B: Philippe Muyl. K: Nicolas Herdt. S: Mireille Leroy. M: Nicolas Errera. P: Alicéleo, France 2 Cinéma, Rhône-Alpes Cinéma, Gimages. D: Michel Serrault, Claire Bouanich, Nade Dieu, Françoise Michaud, Helene Hily, Pierre Poirot u.a.
83 Min. KOOL Filmdistribution ab 11.3.04

Die Nadel im Heuhaufen

Von Frank Brenner Wenn man immer allein nach der Kurzbeschreibung in einen Film ginge, würde man wohl die eine oder andere Nadel im Heuhaufen übersehen, um bei einem Bild zu bleiben, das auch in Philippe Muyls neuem Werk erwähnt wird. Der Schmetterling ist nämlich solch ein Fall, denn er handelt von einem alten Mann, der zusammen mit einem kleinen Mädchen auf Schmetterlingsjagd geht.

Das ist ein Stoff, der normalerweise nicht gerade die Massen in die Kinos lockt. Und doch ist dieser kleine, äußerst charmante französische Film in unserem Nachbarland zum Überraschungserfolg avanciert und konnte über eine Million Besucher verzeichnen. Wer sich nicht von der ungewohnten Ausgangskonstellation abschrecken läßt, wird sich auch hierzulande von einem poetischen, gewitzten und äußerst liebenswürdigen Film verzaubern lassen können.

Den alten Mann spielt niemand geringeres als Michel Serrault, der seit mehreren Jahrzehnten ein Publikumsmagnet und Garant für niveauvolle Unterhaltung zugleich ist. Unfreiwillig nimmt der verhärmte Witwer und Einsiedler die Tochter seiner neu ins Haus eingezogenen, alleinerziehenden Nachbarin mit in die Berge, um einen seltenen Schmetterling für seine Sammlung einzufangen. Die kleine Claire Bouanich spielt das achtjährige Mädchen mit dem Schalk im Nacken und einem sympathischen Naturtalent, das Serraults professionelles Spiel wirkungsvoll kontrastiert.

Trotz der kindlichen Perspektive, auf die sich Muyl aufgrund seiner halbwüchsigen Protagonistin mitunter begibt, ist Der Schmetterling weit mehr als ein Kinderfilm. Vielmehr wendet sich der Regisseur eindringlich an die Erwachsenen und legt ihnen nahe, sich häufiger ihrer verlorengegangenen kindlichen Naivität zu erinnern und sich auch um die Belange der Kleinen zu kümmern.

Claire Bouanich in der Rolle der Elsa begibt sich mit Michel Serraults Julien auf die Flucht vor ihrer egoistischen Mutter, die so auf radikale Weise erfahren muß, daß ihrer Tochter etwas fehlte – Zuwendung, Liebe und Aufmerksamkeit. Aber auch Julien, der die pausenlos auf ihn einprasselnden Fragen Elsas mehr oder weniger geduldig beantwortet, lernt während dieses Ausflugs etwas dazu, was er über Jahre hinweg verdrängt und aus seinem Leben ausgeklammert hatte. Muyl gelingt es mit seinem Film auf leichtfüßige Weise, mit guten Dialogen eine tiefgründige Geschichte zu erzählen und mit charmanten Darstellern gekonnt an die Emotionen seines Publikums zu rühren. 1970-01-01 01:00

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